Infobrief der FNR 02/2017: Nachhaltige Forstwirtschaft

Charta für Holz 2.0 - Klima schützen. Werte schaffen. Ressourcen effizient nutzen.

Am 26. April 2017 präsentierte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in Berlin die Charta für Holz 2.0. Das federführende Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erarbeitete sie gemeinsam mit Experten aus Bund, Ländern, Wissenschaft und Wirtschaft in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe. Mit der Charta setzt das Ministerium den Beschluss der Bundesregierung im Klimaschutzplan 2050 um, „den Beitrag nachhaltiger Holzverwendung zur Erreichung der Klimaschutzziele zu stärken“. Sie bildet den Rahmen zur Erreichung der primären Ziele - die drei Säulen der Charta - Klimaschutz, Wertschöpfung und Ressourceneffizienz. Zur Weiterentwicklung und Konkretisierung der Waldstrategie 2020 im Hinblick auf die Verwendung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft trägt sie ebenfalls bei.

Bei der von der FNR organisierten Veranstaltung im April hob der Minister vor rund 140 Teilnehmern die Bedeutung des nachwachsenden Rohstoffs Holz hervor und stellte die Charta in den Kontext der politischen Strategien. Holz sei Deutschlands bedeutendster nachwachsender Rohstoff, der energieintensive endliche Materialien und erdölbasierte, fossile Ressourcen ersetzen kann. Im Bereich des Bauens mit Holz bestünde noch enormes Potenzial, aber es gäbe auch noch große Herausforderungen. Bundesminister Schmidt hat interessierte Akteure eingeladen, sich in den Charta-Prozess einzubringen und einen aktiven Beitrag zu leisten. So, wie die Projektpartner eines ersten Leuchtturmprojekts der Charta für Holz 2.0, denen der Bundesminister auf der Veranstaltung einen „Förderbescheid“ überreichte: In einem Verbundvorhaben zum Brandschutz im Holzbau will die TU München mit Projektpartnern die brandschutztechnischen Grundlagen analysieren und eine Systematik entwickeln, um zu zeigen, dass eine Gleichberechtigung des Holzbaus, insbesondere im mehrgeschossigen Bau, erreicht werden kann.

Die Präsentation der Charta 2.0 bildete gleichzeitig den Startpunkt für ihre Umsetzung.

Die Charta für Holz 2.0 ist auf www.charta-fuer-holz.de herunterlad- und bestellbar. Dort sind auch weitere Informationen sowie Hinweise auf Projekte, Veranstaltungen und Entwicklungen zu finden.

Im Jahre 2004 wurde die erste Charta für Holz veröffentlicht. Während diese damals mit dem Ziel aufgelegt wurde, die Holzverwendung innerhalb von 10 Jahren pauschal um 20 Prozent zu steigern, stehen bei der Charta für Holz 2.0 neue Akzente und differenzierte Ziele im Vordergrund.

Broschüre „Charta für Holz 2.0“
Broschüre „Charta für Holz 2.0“

Aufruf „Waldschutz zur Unterstützung der nachhaltigen Forstwirtschaft“

Das BMEL beabsichtigt im Rahmen des „Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe“ unter dem Förderschwerpunkt „Stärkung der nachhaltigen Forstwirtschaft zur Sicherung der Waldfunktionen“ Forschungs- und Entwicklungs-Vorhaben zum Thema „Waldschutz zur Unterstützung der nachhaltigen Forstwirtschaft“ zu fördern. Dieser Aufruf konzentriert sich zunächst auf Schadinsekten. Es ist geplant, ihn später auf andere biotische Erreger auszuweiten.

Mit diesem Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen sollen Konzepte zum Waldschutz entwickelt werden, die die deutsche Forstwirtschaft bei der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes und Erreichung ihrer Bewirtschaftungsziele durch die Abwehr von Schadinsekten unterstützen. Explizit sind auch Vorhaben förderfähig, die der Kommunikation der Ergebnisse der Waldschutzforschung an die forstliche Praxis unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Waldbesitzarten auch unter Nutzung moderner Medien dienen und somit erst einen funktionierenden Waldschutz ermöglichen. Um ebenfalls den Ansprüchen der Gesellschaft an den Wald gerecht zu werden, sind auch Vorhaben, die mithilfe fachlich korrekter und ideologiefreier Wissensvermittlung hinsichtlich des Waldschutzgeschehens und möglicher Waldschutzmaßnahmen der Akzeptanzerhöhung gegenüber Pflanzenschutzmaßnahmen dienen, ausdrücklich Teil dieses Aufrufs.

Der Förderaufruf „Waldschutz zur Unterstützung der nachhaltigen Forstwirtschaft“ im Rahmen des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe wurde als befristeter Aufruf bis zum 31.7.2017 veröffentlicht. Details stehen unter http://www.fnr.de/projektfoerderung/fuer-antragsteller/aktuelle-bekanntmachungen/ zur Verfügung.

Verbundvorhaben untersucht Potenzial nichtheimischer Baumarten für Anbau in Deutschland

Um die Nachfrage nach Holz aus heimischen Wäldern, insbesondere nach Nadelholz, auch zukünftig decken zu können, kann es sinnvoll sein, Alternativen zu den heimischen Nadelbaumarten in unsere Wälder zu integrieren. Grundsätzlich bieten Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen im Zuge von Umweltveränderungen große Potenziale für die Sicherung vitaler Mischwälder und die heimische Holzversorgung. Dahingehend etablieren der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen und der Landesverband Lippe in einem vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten dreijährigen Projekt Versuchsflächen mit verschiedenen nichtheimischen Baumarten. Langfristig sollen sie auf ihre Wuchsdynamik, waldbauliche Eignung, Integrierbarkeit in herkömmliche Ernteverfahren, erreichbare Holzqualitäten und ihr mögliches invasives Potenzial untersucht werden. Neben den wirtschaftlich relevanten Informationen sammelt das Projekt auch solche zu den Auswirkungen auf die Waldökosysteme.

Bei dem am 1. Juli 2017 begonnenen Vorhaben sollen auf den insgesamt über 26 Hektar großen Versuchsflächen im Sauerland und im Lipper Bergland insgesamt sieben Nadel- und vier Laubbaumarten möglichst in Mischung mit der heimischen Rotbuche angebaut werden: Atlaszeder (Cedrus atlantica), Küstentanne (Abies grandis), Araukarie (Araucaria araucana), Westliche Hemlocktanne (Tsuga heterophylla), Küstenmammutbaum (Sequioa sempervirens), Gebirgsmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), Baumhasel (Corylus colurna), Edelkastanie (Castanea sativa), Orientbuche (Fagus orientalis), Platane (Platanus orientalis) und Sicheltanne (Cryptomeria japonica). Alle diese Arten wachsen hierzulande bislang nur in geringem Umfang und teils auch nur als Straßen- und Parkbäume, produzieren aber in ihrer Heimat in mit Deutschland vergleichbaren Klimazonen ein hochwertiges und in der Industrie nachgefragtes Holz.

In der dreijährigen Projektlaufzeit stehen die Etablierung der Versuchsflächen, die Dokumentation des Anwuchsverhaltens und eventueller Schädigungen auf der Agenda. Außerdem wollen die Wissenschaftler ein Untersuchungsdesign für ein langfristiges Monitoring der Flächen erarbeiten. Dieses soll die langfristige wissenschaftliche Untersuchung der Flächen sicherstellen und fundierte Ergebnisse liefern.

Küstenmammutbäume – Option für deutsche Wälder? Foto: Aschewald
Küstenmammutbäume – Option für deutsche Wälder? Foto: Aschewald

Fachgespräch zum Eschentriebsterben

Seit mehr als 10 Jahren sterben die Eschen in Deutschland. Der für das Eschentriebsterben verantwortliche Pilz bedroht mittlerweile europaweit die Existenz der Esche. Am 14. Juni 2017 kamen in den Räumen des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin gut 20 Vertreter aus Forschung, Praxis und Politik zusammen, um den Forschungsstand hinsichtlich des Eschentriebsterbens zu erfassen und erfolgversprechende Ansätze zur Eindämmung des Eschentriebsterbens, getrennt nach Resistenzerhöhung und aktiven Bekämpfungsmaßnahmen, zu diskutieren. Die während des Fachgesprächs identifizierten Ansätze werden durch verstärkte Forschungsaktivitäten angegangen.

Das BMEL nahm sich des Themas frühzeitig an. Über die FNR sind bereits mehrere Projekte zum Eschentriebsterben bzw. dessen ökonomischen Folgen gefördert worden. So bauen beispielsweise Wissenschaftler der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern und des Instituts für Forstgenetik des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in einem deutschlandweit einzigartigen Verbundvorhaben eine Samenplantage zur Erzeugung von Eschensaatgut auf, das besonders resistent gegenüber dem Eschentriebsterben ist. Das Projekt „Erhalt der Gemeinen Esche durch Anlage einer Samenplantage bestehend aus Klonen mit hoher Resistenz gegenüber dem Eschentriebsterben (ResEsche)“ wird noch bis 2019 im Rahmen des Förderschwerpunkts „Nachhaltige Waldwirtschaft“ gefördert. 

Befallene Esche. Foto: H. Schulz/Landesforst MV
Befallene Esche. Foto: H. Schulz/Landesforst MV

FNR präsentiert sich bei den DLG-Waldtagen

Die FNR steht im Wald: Vom 15. bis 17. September 2017 wird sie erneut bei den DLG-Waldtagen in Brilon – Madfeld im Sauerland vertreten sein. Bei der Outdoor-Ausstellung mit Live-Demonstrationen für die Forstpraxis präsentiert die FNR aktuelle Forschungsergebnisse und Informationen zum Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ insbesondere zu den Möglichkeiten der Förderung im Rahmen des Förderschwerpunkts „Stärkung der nachhaltigen Forstwirtschaft zur Sicherung der Waldfunktionen“.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Programms der Waldtage steht die effiziente Bewirtschaftung von Privat- und Kommunalwald. Auf einer rund 50 ha großen Fläche im Briloner Stadtwald im Ortsteil Madfeld geht es um Waldschutz und Waldpflege, Holzernte, -lagerung und -transport sowie um Holzbe- und -verarbeitung. Auch die Themen Energie aus Holz, Kommunaltechnik, IT und Beratung sowie die Arbeitssicherheit und die Jagdbewirtschaftung finden Berücksichtigung.

ERA-NET CoFund zu innovativer forst-basierter Bioökonomie (ForestValue) in Vertragsverhandlungen mit der EU

Der am 14. Februar 2017 bei der Europäischen Kommission eingereichte Antrag für ein ERA-NET Cofund zum Thema “ForestValue - Innovating forest-based bioeconomy” wurde positiv bewertet. Für das Vorhaben haben sich drei ERA-NETs im Forstbereich zusammengeschlossen - WoodWisdom-Net, SUMFOREST and FORESTERRA. Gemeinsam soll ein transnationaler Aufruf für Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsvorhaben im Forst-/Holz-Bereich umgesetzt werden, der voraussichtlich im IV. Quartal 2017 veröffentlicht wird.