Infobrief der FNR 02/2017: Nachhaltige Erzeugung landwirtschaftlicher Rohstoffe

Rückblick auf die 3. Tagung „Arzneipflanzenanbau in Deutschland"

Nur etwa 15 Prozent der in Deutschland benötigten pflanzlichen Rohstoffe für die pharmazeutische, kosmetische und Nahrungsergänzungsmittelindustrie werden von der deutschen Landwirtschaft auf etwa 12.000 Hektar produziert. Das Potenzial liegt wesentlich höher, zumal die Vielfalt in diesem Sektor – ca. 120 verschiedene Arten werden hierzulande angebaut – zu einer Steigerung der Agrobiodiversität beitragen kann. Um allen an diesem Thema interessierten Landwirten, Erstverarbeitern, Händlern und Herstellern erneut eine Gesprächsplattform zu bieten, veranstaltete die FNR am 20. und 21. Juni die 3. Tagung „Arzneipflanzenanbau in Deutschland“ in Schweinfurt. Rund 90 Teilnehmer hörten Vorträge zu den aktuell vom BMEL geförderten Forschungsprojekten und nahmen an einer Exkursion in das Kräuteranbaugebiet Schwebheim teil.

Die anwesenden Weiterverarbeiter signalisierten in den Gesprächen, dass die Nachfrage nach zusätzlicher heimischer Rohware weiterhin vorhanden ist. Die anbauenden Betriebe machten deutlich, dass sie Handlungsbedarf beim Greening sehen. Aktuell werden Arzneipflanzen nicht als ökologische Vorrangflächen anerkannt, obwohl die Kulturen der Intention dieser Regelung - das Artenspektrum zu erweitern - bestens entsprechen. Zudem könnte ihre Aufnahme ein zusätzlicher Anreiz für Neueinsteiger sein. Als weiteres Ergebnis nahm die FNR den Bedarf der Praktiker an Forschungsergebnissen im Themenfeld Schaderreger und nachhaltiger Pflanzenschutz mit.

Insgesamt war die Tagung ein Erfolg, weil insbesondere auch neue Teilnehmer erreicht wurden, darunter auch einige Landwirte, die einen Einstieg in den Arzneipflanzenanbau für sich prüfen. Pflanzliche Rohstoffe für Pharmazie & Co. können zwar nur einen kleinen, aber besonders wertvollen Beitrag zur Umsetzung einer biobasierten Wirtschaft leisten. Sie stehen für Spezialwissen, hohe Wertschöpfung, höchste Qualitätsanforderungen und eine besonders breite Anbaupalette, bei gleichzeitig steigender Nachfrage der Gesellschaft nach pflanzlichen Alternativen im Gesundheits- und Kosmetiksektor.

Die Vorträge der Tagung erscheinen in Kürze als elektronischer Band in der Reihe „Gülzower Fachgespräche“ und stehen dann unter https://mediathek.fnr.de/broschuren/sammlungen/schriftenreihe-gulzower-fachgesprache.html zur Verfügung.

Exkursion in das Kräuteranbaugebiet Schwebheim. In der fränkischen Gemeinde ist der Kräuteranbau seit über 100 Jahren etabliert. Foto: FNR/Wenke Stelter
Exkursion in das Kräuteranbaugebiet Schwebheim. In der fränkischen Gemeinde ist der Kräuteranbau seit über 100 Jahren etabliert. Foto: FNR/Wenke Stelter

Kamille, Melisse und Baldrian erfolgreicher anbauen - Zwischenstand im Demonstrationsprojekt Arzneipflanzen

Arzneipflanzen sind Spezialkulturen, die viel Fachwissen und hohe Erstinvestitionen erfordern, potenziell aber auch eine hohe Wertschöpfung bieten. Die Nachfrage nach Arzneipflanzen aus heimischer Erzeugung wird derzeit nicht gedeckt. Deshalb fördert das BMEL über die FNR das umfangreiche Demonstrationsvorhaben „Verbesserung der internationalen Wettbewerbsposition des deutschen Arzneipflanzenanbaus am Beispiel der züchterischen und anbautechnologischen Optimierung von Kamille, Baldrian und Zitronenmelisse“, kurz KAMEL, mit insgesamt 35 Einzelvorhaben. Das erste Teilprojekt startete bereits 2006, das letzte wird 2020 beendet sein. Insbesondere die Züchtungsprojekte benötigen viel Zeit.
Zu den bereits vorliegenden Ergebnissen gehören Anbauhinweise für Landwirte, eine Auswahl steht hier zur Verfügung.

Zum Projektende sollen die Ergebnisse den Anbauern außerdem über die landwirtschaftliche Beratung, das Internet und Printmedien zugänglich gemacht werden.

Per Aussaat etablierter Kamillebestand. Foto: Institut für Landtechnik, Universität Bonn
Per Aussaat etablierter Kamillebestand. Foto: Institut für Landtechnik, Universität Bonn

Düngen mit Asche aus der Verbrennung von Holz, Stroh & Co.

Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und die Universität Rostock untersuchen, inwieweit sich Aschen aus der Verbrennung von naturbelassenem Holz, Stroh, Miscanthus, Schilf oder Landschaftspflegematerial als Dünger eignen. Dass diese Aschen Nährstoffe in relevanten Konzentrationen enthalten, ist bekannt. Doch um sie effizient als Dünger einsetzen zu können, gilt es noch einige Fragen zu klären: So differiert die Qualität der Aschen je nach Brennstoff, Verbrennungstechnik, Qualität des Ausbrandes und Art der Entaschung erheblich. Hier setzt das Verbundvorhaben an: Die Forscher wollen klären, welche Konstellationen der genannten Faktoren geeignet sind, um hochwertige Aschen mit geringen Schadstoffanteilen zu erhalten, die als Ausgangsstoff für Düngemittel gemäß Düngemittelverordnung (DüMV) geeignet sind.

Die Wissenschaftler beproben Praxisanlagen, die Holz, Stroh, Schilf und Miscanthus verbrennen, und versuchen, die Anlagen in Bezug auf ihr Emissionsverhalten bzw. die anfallende Aschequalität zu optimieren. Sie untersuchen die Nähr- und Schadstoffgehalte, charakterisieren die Aschen und bewerten sie u. a. nach den Grenzwerten der DüMV. Auf der Arbeitsagenda stehen außerdem Gefäßversuche, um die Düngewirkung der Hauptnährstoffe Phosphor und Kalium in Kombination mit unterschiedlichen Fruchtarten und Böden zu testen, sowie diverse weitere Fragestellungen. Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern untersucht in einem zusätzlichen, separaten Projekt die wirtschaftlichen Aspekte möglicher Biomasseasche-Dünger.

Nach momentanem Düngemittelrecht sind Aschen aus pflanzlichen Stoffen u. a. aus der Land- und Forstwirtschaft als Ausgangsstoffe für Düngemittel zulässig - vorausgesetzt, sie stammen aus dem Brennraum incl. der ersten filternden Einheit und entsprechen den Qualitätsanforderungen der DüMV. Ist dies nicht der Fall, müssen sie unter Umständen entsorgt werden, was in der Praxis meist die Deponierung bedeutet. Damit gehen alle enthaltenen Nährstoffe faktisch verloren, der Nährstoffkreislauf ist nicht geschlossen. Gleichzeitig sind die weltweit erschließbaren Lagerstätten insbesondere für Phosphor zur Herstellung von Mineraldüngern endlich und konzentrieren sich auf nur wenige Länder. Die Rückgewinnung der Nährstoffe aus Aschen hat deshalb nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine wichtige ökologische Dimension.

Holzasche. Foto: FNR/Andreas Müller
Holzasche. Foto: FNR/Andreas Müller