Infobrief der FNR 03/2018: Nachhaltige Forstwirtschaft

Kompetenz- und Informationszentrum für Wald und Holz (KIWUH) startet am 1. Januar 2019

Im Sommer 2018 beschloss das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz (kurz KIWUH) bei der FNR in Gülzow anzusiedeln. Es wird alle Aktivitäten rund um die Bereiche Wald und Holz zusammenfassen. Seine Hauptaufgabe mit dem Beginn des neuen Jahres ist die Unterstützung von Forschung, Entwicklung sowie praktischen Maßnahmen im Bereich der nachhaltigen Waldbewirtschaftung mit dem Ziel der Wahrung aller Waldfunktionen, des Schutzes der Biodiversität sowie der Schonung und effizienten Nutzung nachwachsender Ressourcen durch eine intelligente Holzverwendung.

Neben der Aufbereitung und Bereitstellung von Fachinformationen aus aktuellen Forschungsergebnissen  sowie Verbraucherinformationen spielt die Kommunikation zu wald- und holzrelevanten Themen eine wichtige Rolle im Aufgabenbereich des KIWUH.

Die Leitung des KIWUH übernimmt Marcus Kühling, ehemaliger Geschäftsführer des Deutschen Forstvereins (DFV).

Wald bewegt!: Die Deutschen Waldtage 2018

Vom 13. bis 16. September 2018 veranstaltete das BMEL die Deutschen Waldtage 2018. Unter dem Motto „Wald bewegt“ stellten sie Sport, Erholung und Gesundheit in den Mittelpunkt. Kooperationspartner war der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB); zudem unterstützte der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) die Deutschen Waldtage.

Anders als beim 1. Deutschen Waldtag in 2016 stand der Wald gleich an mehreren Tagen und mit ihm seine Erholungsfunktion im Fokus. Neben den zentralen Veranstaltungsteilen im und um das Berliner Humboldt-Carré am 13. und 14. September bildeten die bis zum 16. September bundesweit stattfindenden, über 200 regionalen Veranstaltungen in den Ländern und Kommunen, in den Wäldern und Forsten sowie in waldnahen Einrichtungen das Herzstück der Deutschen Waldtage 2018. Dort warben die Veranstalter für gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme in der größten „Erlebnis- und Sportarena Deutschlands“.

Gemeinsam mit dem DOSB, dem DFWR, den Ländern und Kommunen sowie privaten Waldbesitzern wurden diese sportlichen und informativen Veranstaltungen organisiert und durchgeführt.

Rohstoffmonitoring Holz: Die Ergebnisse

Die INFRO e. K. - Informationssysteme für Rohstoffe, die Universität Hamburg und das Thünen-Institut haben über mehrere Jahre die Stoffströme von Holz in Deutschland analysiert. Das Ergebnis ist eine umfassende Rohstoffbilanz, die u. a. zeigt, dass die Kaskadennutzung, vor allem bei der stofflichen Nutzung, schon Realität ist.

Die Studie schließt Lücken in der amtlichen Statistik und stellt eine wichtige Datengrundlage dar, um die nachhaltige Umsetzung der Charta für Holz 2.0 des BMEL für mehr Holznutzung im Blick zu behalten. Alle Ergebnisse sind seit dem Sommer in drei Veröffentlichungen der FNR nachzulesen. Je nachdem, wie tief der Leser in die Materie einsteigen will, steht ihm ein sehr kurzes Handout, eine knapp 30-seitige Kurzfassung der Studie oder die vollständige Langfassung, erschienen als elektronischer Band 38 der Schriftenreihe Nachwachsende Rohstoffe, zur Verfügung. Alle drei Veröffentlichungen sind unter dem Stichwort „Rohstoffmonitoring“ in der Mediathek der FNR (https://mediathek.fnr.de) zu finden.

So ist beispielsweise nachzulesen, dass die energetische Holznutzung zwischen 2007 und 2008 ihr Maximum erreicht hatte, danach wieder etwas zurückfiel und seit 2011 auf ähnlichem Niveau wie die stoffliche Nutzung stagnierte. Oder dass bei der energetischen Holznutzung auch der Einsatz von Rest- und Recyclinghölzern eine große Rolle spielt. So nutzten 2016 die Großfeuerungsanlagen überwiegend Altholz, aber nur 2,2 Prozent des gesamten Rohholzaufkommens in Deutschland. Private Öfen und Scheitholzkessel fragten 2016 gut 23 Prozent des Rohholzaufkommens nach. Der Löwenanteil des Rohholzes von fast 75 Prozent ging in die stoffliche Nutzung. Weitere Ergebnisse sind den Veröffentlichungen zu entnehmen.

Die Veröffentlichungen basieren auf dem Verbundvorhaben „Rohstoffmonitoring Holz“, das vom BMEL über die FNR als Projektträger gefördert wurde (Förderkennzeichen 22019714, 22021614 und 22021514).

Ausführlich oder kurzgefasst: Die Ergebnisse des Rohstoffmonitorings Holz.
Ausführlich oder kurzgefasst: Die Ergebnisse des Rohstoffmonitorings Holz.

Fortschritte bei der Züchtung stresstoleranter Robinien

Der Sommer 2018 hat es nachdrücklich gezeigt: Trockentolerante Baumarten sind für die Forstwirtschaft und die Energieholzproduktion auf dem Acker zunehmend wichtig. Die Robinie könnte unter diesem Aspekt erheblich an Bedeutung gewinnen, zudem wächst sie auch auf Böden minderer Qualität mit beachtlichen Erträgen und sehr guter Holzqualität.

In drei Projekten selektierten Forscher Genotypen, mit denen sich die Züchtung besonders trockentoleranter Robinien beschleunigen lässt.

Im Projektverbund FastWOOD III1 identifizierten Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Bergbaufolgelandschaften (FIB) und des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE) geeignete Biomarker, um die Toleranz gegenüber Trockenheit, Nährstoffveränderungen im Boden und Spätfrost bereits bei einjährigen Robinien vorhersagen zu können. Die Forscher bestimmten die Ausprägung dieser Indikatoren bei sechs am Markt verfügbaren, besonders wuchskräftigen Robinien-Klonen sowie bei Wurzelstecklingen aus FastWOOD-Modellflächen in Brandenburg, die noch nicht auf dem Markt erhältlich sind. Mittels Anbauversuchen überprüften sie die Aussagekraft der Biomarker-Muster u.a. bei Trockenheit. Die Methode könnte die Züchtung neuer Linien erheblich abkürzen. Auch bei anderen Forstbaumarten lassen sich Bioindikatoren zur Frühdiagnose einsetzen, darauf deuteten erste erfolgreiche Versuche mit Fichten, Douglasien und Eichen hin.

Das Institut für Forstgenetik des Thünen-Instituts sichtete ebenfalls Robinien-Züchtungskandidaten unter dem Aspekt der Trockentoleranz. Dazu setzten die Forscher Genotypen aus 9 Ländern systematischem Trockenstress aus und erfassten im Anschluss den Zuwachs der Pflanzen. Zusätzlich ermittelten sie verschiedene Biomarker, wie den Kohlenhydrat-, Stärke-, Phenol- und Wassergehalt. Die Ergebnisse dieser Vorgehensweise sowie der o.g. Projekte stehen auf fnr.de unter den folgenden Förderkennzeichen zur Verfügung: 22024011, 22000914 und 22001014.

Wie unterschiedlich gut Robinien mit Trockenstress zurechtkommen, ist auch genetisch gesteuert - hier vierjährige Robinien im Dürresommer 2018. Foto: FNR/N. Paul
Wie unterschiedlich gut Robinien mit Trockenstress zurechtkommen, ist auch genetisch gesteuert - hier vierjährige Robinien im Dürresommer 2018. Foto: FNR/N. Paul

Nährstoffschonende Energieholzernte: Potenziale nachhaltig nutzen

Drei der führenden forstlichen Forschungsanstalten in Deutschland, die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA BW), die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW FVA) sowie die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), arbeiteten in dem Verbundvorhaben „Energieholzernte und stoffliche Nachhaltigkeit in Deutschland (EnNa)“ daran, die Methodik für die Bestimmung nachhaltig verfügbarer Holzpotenziale um den Aspekt der Nährstoffnachhaltigkeit im Waldboden zu erweitern. Dazu nutzten die Forscher u. a. Daten der Bundeswaldinventur, der Bodenzustandserhebungen sowie des forstlichen Umweltmonitorings und berücksichtigten den gesamten Nährstoffkreislauf des Waldes. Die punktförmig zur Verfügung stehenden Daten wurden auf eine Flächenkarte übertragen, um das nutzbare Potenzial auf Bundes- und Regionalebene darzustellen.

Im Ergebnis entstand ein für Forstbetriebe und Waldbesitzer verlässliches Instrument für die Waldbewirtschaftung und Planung langfristiger Holzerntestrategien. Das unterstützt staatliche Forstbetriebe, kommunale und private Waldbesitzer v. a. bei der Planung langfristiger Holzerntestrategien. Der wirtschaftliche Nutzen der erhobenen Daten liegt nicht vorrangig in der Mobilisierung zusätzlicher Biomassepotenziale, sondern darin, Beurteilungsgrundlagen zu schaffen, die standortgerecht und unter Einhaltung der natürlichen Nährstoffressourcen eine optimale Waldbewirtschaftung ermöglichen.

Weitere Informationen zum Projekt stehen in der Projektdatenbank der FNR unter den Förderkennzeichen 22006512, 22020212 und 22020312 zur Verfügung.

Am 18. Dezember 2018 findet in Berlin die Abschlussveranstaltung zum Verbundvorhaben statt. Dort stellen die Projektbeteiligten Untersuchungsmethodik, Ergebnisse und sich daraus ergebende Handlungsalternativen für die Waldbewirtschaftung vor. Weitere Informationen finden Sie in Kürze auf forst.fnr.de.

Direkt im Wald verbleibende Rinde stärkt die Bodenfruchtbarkeit. Foto: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Direkt im Wald verbleibende Rinde stärkt die Bodenfruchtbarkeit. Foto: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Förderaufruf: „Kleinprivatwald – Innovationen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung“

Die Privatwaldbetreuung war bislang u. a. Aufgabe der Landesforsten oder Landwirtschaftskammern der Länder. Als Folge der Kartellverfahren in mehreren Bundesländern werden private forstliche Zusammenschlüsse insbesondere bei der Holzvermarktung, aber auch bei der Beratung künftig jedoch eine größere Rolle spielen. Um sie dabei zu unterstützen, wirbt das BMEL im aktuellen Aufruf „Kleinprivatwald – Innovationen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung“ Ideen für neue Dienstleistungen, IT-Entwicklungen sowie technische und organisatorische Lösungen ein. Die Maßnahmen sollen in erster Linie die Effizienz und damit auch die Attraktivität der forstlichen Zusammenschlüsse erhöhen und ihren Arbeitsalltag erleichtern, sie können sich aber auch direkt an einzelne Waldbesitzer wenden. Denkbar sind u. a. neue Ansätze einer gemeinschaftlichen Bewirtschaftung und Vermarktung, etwa digitale Vermarktungsplattformen, Einkaufsgemeinschaften für Forstpflanzgut, innovative Abrechnungsmodelle oder Bürgerwaldkonzepte. Für die Ansprache der Waldbesitzer bedarf es Informationsmedien, die auch nutzungsferne Eigentümer erreichen. Schließlich sind übergeordnete Arbeiten förderfähig, um Daten zu verschiedenen Eigentümertypen zu erheben oder zum Status Quo der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse und deren betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

Einreichungsfrist für Skizzen: 30.11.18

Gefördert aus: Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe

Neue Wege in der Holz-Selbstvermarktung beschreiten – Ziel des aktuellen BMEL-Förderaufrufs „Kleinprivatwald“. Foto: FNR/Hajkova
Neue Wege in der Holz-Selbstvermarktung beschreiten – Ziel des aktuellen BMEL-Förderaufrufs „Kleinprivatwald“. Foto: FNR/Hajkova
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