Infobrief der FNR 01 / 2019: Nachhaltige Erzeugung

Entwicklung einer Erntemaschine für den Kautschukersatz Russischer Löwenzahn

Russischer Löwenzahn gilt als interessante Alternative zu dem in den Tropen wachsenden Kautschukbaum. Dieser ist bis heute Hauptlieferant von Naturkautschuk, einem besonders elastischen und für viele Anwendungen unersetzlichen Biopolymer. In Deutschland fördert u. a. das BMEL seit 2011 Arbeiten zum Russischen Löwenzahn. In den BMEL-geförderten Projekten TAKOWIND I und II ging bzw. geht es um die züchterische Optimierung, den Anbau und die aus der Pflanzenwurzel gewinnbaren Produkte Kautschuk und Latex. Nun startete das Projekt TAKOROD, bei dem die Erntetechnik im Zentrum steht. Denn in Anbauversuchen hat sich bereits gezeigt, dass herkömmliche Maschinen die Wurzeln dieser Pflanze nicht optimal roden können. Dies hoffen die drei Projektpartner bis zum Ende von TAKOROD im Jahr 2022 ändern zu können. Nicht zuletzt der am Projekt beteiligte Reifenhersteller Continental benötigt die Erntetechnik für sein Taraxagum® Lab in Anklam (Vorpommern). Dort baut er Versuchskulturen des Russischen Löwenzahns an und erforscht die Kautschukgewinnung aus der Pflanze weiter.

Neben der Continental Reifen Deutschland GmbH arbeiten die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und die HOLMER Maschinenbau GmbH im Projekt mit.

Wildpflanzen für Biogas: Wie groß ist das Risiko der Samenausbreitung über die Gärreste?

Mehrjährige Wildpflanzen-Mischungen gelten als interessante Möglichkeit, Biogasfruchtfolgen aufzulockern und ökologisch aufzuwerten. Noch unklar war bislang jedoch das Risiko, über die Gärprodukte Wildpflanzensamen auf andere Flächen zu verbreiten. Die Universität Rostock untersuchte diese Frage gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) am Beispiel der in der Praxis genutzten Blühmischung BG70 der Firma Saaten Zeller. Es zeigte sich, dass nur hartschalige Samen die drei Stationen Silierung, anaerobe Vergärung bei 35 bzw. 42 C° und 12-wöchige Lagerung der Gärreste überstanden, ihre Überlebensquote lag je nach Art bei bis zu 70 Prozent. In der Biogas-Wildpflanzenmischung BG70 werden deshalb die Steinklee- und die Malven-Arten potenziell über die Gärreste verbreitet: Sie haben hartschalige Samen und kommen in den ersten beiden Standjahren in größerer Zahl auf den Flächen vor. Ab dem 3. Jahr dominieren Beifuß (Artemisia vulgaris), Schwarze Flockenblume (Centaurea nigra) und Rainfarn (Tanacetum vulgare) die BG70-Bestände. Diese Arten haben keine hartschaligen Samen. Nicht-hartschalige Samen wurden in den Versuchen im Labor und in einer Praxisanlage zu annähernd 100 Prozent inaktiviert.

Landwirte sollten deshalb Gärreste, die von Flächen mit der BG70-Mischung aus dem ersten und zweiten Standjahr stammen, nur mit Bedacht auf andere Ackerflächen ausbringen.

Saaten Zeller gibt für die Mischung BG70 eine Standzeit von bis zu fünf Jahren an.

Mit Mais-Bohnen-Mischanbau Mineraldünger einsparen und die Biodiversität erhöhen

Silomais lässt sich – geeignete Sorten vorausgesetzt – sehr gut in Mischkultur mit Stangenbohnen anbauen. Der Mais dient den Bohnen dabei als Rankhilfe, die Bohnen wiederum können sich als Leguminosen mit Stickstoff aus der Luft versorgen. Dieses ursprünglich aus Südamerika stammende Anbausystem verspricht gegenüber dem Mais-Reinanbau ökologische Vorteile bei relativ geringen wirtschaftlichen Einbußen.

Forscher der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen wollen nun in Düngungsversuchen überprüfen, inwieweit man bei diesem Mischanbau auf mineralischen Stickstoff(N)-Dünger verzichten kann. Dazu bauen sie das Gemenge auf Flächen mit geringer und mit guter N-Versorgung an. Die Forschungsfragen lauten: Nutzen die Bohnen auf den gering versorgten Flächen tatsächlich ihre Fähigkeit zur N-Fixierung aus der Luft und überlassen dem Mais den N aus dem Bodenvorrat und organischer Düngung? Und verzichten die Bohnen umgekehrt auf gut versorgten Flächen auf die Luftstickstoff-Fixierung? Wenn es so wäre, bräuchte der Landwirt keinen zusätzlichen mineralischen N düngen und könnte sich auf das sich selbst regulierende System der Leguminose verlassen. Damit würde der Mischanbau helfen, N-Überschüsse zu reduzieren und potenzielle Nitrateinträge in Grund- und Oberflächengewässer zu senken.

Zusätzlich wollen die Forscher die Frage klären, ob Mais-Bohnen auch die Biotopqualität für bodenbrütende Vögel, Insekten, Tausendfüßer und Spinnen verbessern und das Risiko von Bodenerosion verringern können. Insbesondere Bodenbrüter leiden im Maisanbau darunter, dass Fuchs, Dachs, Marder & Co. durch die Reihen laufen und die Gelege räubern. Neben der Überprüfung dieser Forschungsthesen bewerten die Forscher die Umweltvorteile auch ökonomisch über einen Vermeidungskostenansatz. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für Fördermaßnahmen dienen.

Tagungsband „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärresten aus Biogasanlagen“

Die FNR veranstaltete im Juli 2018 zum dritten Mal die Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückstände aus Biogasanlagen“. Mitveranstalter war das Institut für Agrar- und stadtökologische Projekte an der Humboldt Universität zu Berlin. Rund 100 Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis kamen im Umweltforum zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen bei der Verwertung von Gärprodukten auszutauschen. Der Tagungsband fasst die Vorträge zum Nachlesen zusammen und bietet einen guten Überblick zum aktuellen Stand des Wissens.

Zum gleichen Thema gab der Fachverband Biogas 2018 die Broschüre „Düngen mit Gärprodukten“ heraus, die in Kooperation mit der FNR und der Gütegemeinschaft Gärprodukte entstand.

Neue Saattütchen: Insektenfreundlich Energie pflanzen!

Um alternative, insektenfreundliche Energiepflanzen bekannter zu machen, hat die FNR drei neue Saattütchen produziert: zwei zum Mais-Bohnen-Mischanbau und eins zum Steinkleeanbau für Biogasanlagen. Die Saattütchen werden auf Fach- und Verbrauchermessen verteilt. In den Mais-Bohnen-Tütchen finden sich bewusst Sorten, die auch für den privaten Gärtner attraktiv, weil farbenfroh und essbar sind (Stangenbohnen ‚Neckargold‘ und ‚Blauhilde‘, Zuckermais ‚Tramunt‘). Für den Biogas-Landwirt empfehlen sich andere Sorten – er findet entsprechende Anbauhinweise auf pflanzen.fnr.de.

Der zweijährige Steinklee ist zwar nicht essbar, lockt mit seinen weißen und gelben Blüten im 2. Jahr aber viele Bestäuber in den Garten und reichert den Boden als Leguminose mit Stickstoff an. Auch hier wurden auf pflanzen.fnr.de ausführliche Informationen zu dieser noch recht unbekannten Energiepflanze zusammengestellt.

Diese Internetseite verwendet Cookies, um die Nutzererfahrung zu verbessern und den Benutzern bestimmte Dienste und Funktionen bereitzustellen. Details
Cookies erlauben