Infobrief der FNR 02 / 2019: Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

die Holzenergie hat momentan keinen leichten Stand: Ihr werden mittlerweile höhere Feinstaub-Emissionen als dem Verkehrssektor zugeschrieben. Als Verursacher gelten vor allem Kaminöfen und andere handbeschickte kleine Feuerungen. Zwar zeigt die Novelle der 1. BImSchV nach Angaben des Umweltbundesamtes Wirkung und führt zur Installation sauberer Neuanlagen. Doch aufgrund der Vielzahl an Bestandsanlagen und dem anhaltenden Trend zum Heizen mit Holz stagnieren die Staubemissionen auf hohem Niveau. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern strengere Grenzwerte bis hin zu Nutzungsverboten in stark belasteten Gebieten, aber auch Fördermittel für besonders effiziente und saubere Anlagen. Solche Anlagen gibt es inzwischen durchaus auf dem Markt, ebenso wie Nachrüstlösungen zur Staubreduktion. Die Abscheidegrade liegen zwischen 50 und 90 Prozent. Neue Systeme mit integriertem Gasbrenner schaffen sogar Partikelreduktionen bis nahe an die Nachweisgrenze. Mit der Unterstützung entsprechender Forschungsprojekte trug das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu dem breiten Angebot technischer Lösungen bei. 2014 und 2017 hatte es Förderaufrufe zum Thema veröffentlicht, hinzukommen viele Einzelprojekte und die Beteiligung an europäischen Aufrufen. Als Beispiel für Lösungen, die in den Vorhaben erarbeitet wurden und heute auf dem Markt erhältlich sind, sei der optimierte elektrostatische Abscheider der Firma Schräder genannt. Er kann Feinstaub bei Kleinanlagen um bis zu 85 Prozent reduzieren. Öfen, die auf diese oder ähnliche Weise mit einer Feinstaubminderung nachgerüstet sind, dürfen (auf Antrag) in Stuttgart – der Stadt mit besonders hoher Feinstaubbelastung – bei Feinstaubalarm weiter betrieben werden. 

Solche konstruktiven Ansätze benötigen die öffentliche Wahrnehmung. Aber auch die Politik ist gefragt: Sie muss Kaminöfen und Co. bei der Förderung stärker in den Blick nehmen. Bislang unterstützt das Marktanreizprogramm (MAP) nur die Anschaffung von Biomasseheizkesseln. Und nur für diese wird aus dem MAP eine Innovationsförderung u.a. für Staubabscheider gewährt. Während 2018 die Nachfrage nach MAP-geförderten Holzfeuerungen insgesamt zurückging, blieb diejenige nach Anlagen mit innovativer Abscheidetechnik stabil. Fördermaßnahmen in diesem Bereich greifen also durchaus. Sie sollten auch für besonders emissionsarme und effiziente Einzelraumfeuerungen angeboten werden. Schließlich erfreuen sich Holzöfen und –kamine weiterhin großer Beliebtheit. Gut 11 Millionen davon gibt es in Deutschland, sie erzeugen einen nicht unerheblichen Anteil der erneuerbaren Wärme und tragen zum Klimaschutz bei. Die besonders sauberen dieser Anlagen zu fördern, kann einen Beitrag zur Luftreinhaltung leisten, die Akzeptanz der Holzverbrennung fördern und dieser Form der klimafreundlichen Wärmegewinnung Zukunftsperspektiven eröffnen. Wichtig wäre es außerdem, zusätzlich zu elektrostatischen Abscheidern und Filtern auch die neuen Reduktionsmethoden über den Innovationsbonus zu fördern.

Emissionsminderung ist aber auch bei größeren Anlagen nach wie vor ein Thema. Auch hier hat das BMEL viele Projekte gefördert, in deren Ergebnis es heute nicht nur hochwirksame Filter für Hackschnitzelheizungen, sondern auch Informationen und Empfehlungen für die Betreiber gibt. Denn auch eine gute Brennstoffqualität und die richtige Bedienung der Heizung senken die Emissionen. Wie stark Kommunen und Unternehmen von neuen technischen Lösungen Gebrauch machen, wird nicht zuletzt der Wettbewerb Bioenergie-Kommunen 2019 des BMEL zeigen. Bereits zum 5. Mal prämiert das BMEL vorbildliche Dörfer, Städte und Stadtteile, die Energie aus regionaler, nachhaltig gewonnener Biomasse erzeugen. Neben Aspekten wie Bürgerbeteiligung und Kopplung mit anderen erneuerbaren Energien bewertet die Jury auch den Innovationsgrad der Anlagen. Wie bereits in den Vorjahren, betreut die FNR den Wettbewerb. Daneben setzt sie im Bereich Öffentlichkeitsarbeit 2019 und 2020 einen Schwerpunkt beim Thema „Holzenergie und Emissionen“. Im Bereich der Forschungsförderung wird auch weiter intensiv mit der Unterstützung innovativer Projekte ein Beitrag zur Technologieentwicklung geleistet.

Trotz der aktuellen Debatte gilt es, andere Aspekte der Holzenergie nicht aus dem Blickfeld zu verlieren: regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze, Klimaschutz, erneuerbare Energie und die Unabhängigkeit von fossilen Energien und krisenanfälligen Lieferländern. Seit der Dürre des letzten Sommers mit den großen Mengen an Käfer-Schadholz kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Die Holzenergie bietet den betroffenen Waldbesitzern bei allen wirtschaftlichen Einbußen die Möglichkeit, das Schadholz zumindest noch sinnvoll für die erneuerbare Strom- und Wärmeerzeugung zu verwerten.

Herzlichst, Ihr

Dr.-Ing. Andreas Schütte

Dr.-Ing. Andreas Schütte
Dr.-Ing. Andreas Schütte, Geschäftsführer
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