Infobrief der FNR 03 / 2019: Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

auch wenn Kunststoffe in der öffentlichen Wahrnehmung momentan durchaus unter Druck stehen, sind sich viele Experten einig, dass das eigentliche Kunststoff-Zeitalter gerade erst begonnen hat und ihre große Zukunft noch bevorsteht. Dafür muss der Wechsel von der fossilen zur erneuerbaren Rohstoffbasis für Kunststoffe gelingen, eine sinnvolle Kreislaufwirtschaft weiter ausgebaut und zudem der imageschädigende, unkontrollierte Eintrag von Kunststoffabfällen in die Umwelt gestoppt werden. Als Werkstoff haben Kunststoffe unbestreitbar viele Vorteile, auch im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte. Kaum ein Material ist so leicht, lässt sich so flexibel einsetzen und energieeffizient herstellen und verarbeiten wie Kunststoff.

Kohlenstoff aus diversen Biomassequellen und CO2 steht hierfür dauerhaft zur Verfügung. Der Marktanteil bio-, also pflanzlich basierter Kunststoffe liegt weltweit allerdings erst bei rund zwei Prozent. Noch ist die “erneuerbare Plastic Circular Economy“ also weit entfernt.

Die Forschungsförderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bei biobasierten Kunststoffen setzt einen Schwerpunkt vor allem auf kurzlebige Anwendungen, insbesondere im Verpackungsbereich, in den in Europa fast 40 Prozent aller Kunststoffe gehen. Hier gilt es insbesondere, mit Biokunststoffen gute Barriere-Eigenschaften zu erzielen. Dazu hat das BMEL im vergangenen Jahr einen Förderaufruf „Biobasierte Kunststoffverpackungen für Lebensmittel“ veröffentlicht, inzwischen sind die ersten Projekte gestartet. Weitere Themen des Aufrufs sind ein möglichst recyclinggerechtes Design der Verpackungen und eine Steigerung der Ressourceneffizienz. 

Spielzeug ist ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt, den das BMEL bei der Biokunststoff-Förderung setzt. Dieses Segment ist vor allem für Endverbraucher greifbar und äußerst emotional. Die Chancen auf eine schnellere Marktdurchdringung stehen hier relativ gut. Im Spielzeugmarkt werden vor allem Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere (ABS) eingesetzt. Während Bio-PE bereits als biobasierter Kunststoff am Markt erhältlich ist, steht biobasiertes PP kurz vor der Markteinführung. ABS lässt sich in vielen Einsatzbereichen durch biobasierte Polymilchsäure (PLA) ersetzen.

Noch hat auch Polyvinylchlorid (PVC) einen hohen Anteil an Spielzeugkunststoffen. In dem vom BMEL geförderten Verbundprojekt "Bio-Alternativen für weichgemachte Vinylchloridpolymere" ist es gelungen, eine biobasierte Alternative zu PVC, die ohne gesundheitsschädliche Weichmacher auskommt, zu entwickeln. Das Polymer befindet sich in der Markteinführung.

Viele große Spielzeughersteller bemühen sich inzwischen, ihre Produktion sukzessive auf nachhaltige, biobasierte oder recyclierte Materialien umzustellen. Zwar liegen die Produktpreise für biobasierte Spielzeuge derzeit oft noch über denen konventioneller Kunststoffe. Allerdings sind viele Verbraucher bereit, gerade für nachhaltige Spielzeuge etwas mehr auszugeben, sofern die nachhaltigen Eigenschaften verständlich und glaubhaft kommuniziert werden. Insofern ist der Spielzeug-Markt reif für biobasierte Kunststoffe.

Herzlichst, Ihr

Dr.-Ing. Andreas Schütte

Dr.-Ing. Andreas Schütte

Dr.-Ing. Andreas Schütte, Geschäftsführer

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