Infobrief der FNR 01 / 2020: Nachhaltige Erzeugung

Anbau nachwachsender Rohstoffe 2019

Mit geschätzten 2,67 Millionen Hektar ist die Anbaufläche nachwachsender Rohstoffe in Deutschland 2019 gegenüber 2018 leicht zurückgegangen. Ursächlich dafür ist vor allem eine schrumpfende Rapsanbaufläche für Biodiesel – die Landwirte hatten u. a. aufgrund des trockenen Wetters im Herbst 2018 weniger Raps ausgesät.

Insgesamt bleibt der Nawaro-Anbau auf gut 22 Prozent der Ackerflächen aber ein bedeutendes Standbein für die Bauern. Gemeinsam mit den Waldbesitzern liefern sie Biomasse für erneuerbare Energien sowie für Chemikalien und Produkte.

Den Löwenanteil der Anbaufläche machten mit 1,55 Mio. Hektar erneut die Energiepflanzen für Biogasanlagen aus. Der Maisanteil bei den Energiepflanzen für die Biogaserzeugung ging leicht zurück, er liegt nun bei knapp zwei Dritteln der Gesamt-Biogasfläche. Fläche gut machten dafür die Mais-Alternativen Getreide und Gräser, konstant blieben Zuckerrüben und die Durchwachsene Silphie.

Die Ethanolfabriken benötigten bei gleichbleibender Nachfrage aufgrund der Trockenheit etwas mehr Anbaufläche, diese stieg um knapp 25.000 Hektar. Festbrennstoffe vom Acker wie Miscanthus oder schnellwachsende Baumarten veränderten ihren Anbauumfang kaum, ebenso wie Pflanzen für Industriestärke, Industriezucker, Arznei- oder Faserpflanzen.

Die FNR erhebt die Anbauzahlen nachwachsender Rohstoffe in der Landwirtschaft jährlich im Auftrag des BMEL.

Gärtnern ohne Torf – Klima schützen

Torf besteht zu etwa 50 Prozent aus Kohlenstoff. Durch Abbau und Nutzung wird dieser im Laufe der Zeit in das Treibhausgas CO2 umgewandelt und freigesetzt. Die Verwendung von torfhaltigen Erden trägt also zur Erderwärmung bei. Die Wiederaufnahme des freigesetzten CO2 durch Wiedervernässung ist in für den Menschen überschaubaren Zeiträumen nicht möglich, Torf zählt deshalb nicht zu den nachwachsenden Rohstoffen. Aus diesem Grund muss der Torfabbau reduziert werden - torffreies Gärtnern ist ein Beitrag zum Klimaschutz!

Vor diesem Hintergrund bereitet das BMEL eine Torfminderungsstrategie vor, die vor allem auf Aufklärung und Freiwilligkeit setzt. Die Strategie ist Teil der Maßnahmen des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung. Ihr Ziel wird es sein, innerhalb der nächsten Jahre die Torfverwendung im Freizeitgartenbau vollständig und im Erwerbsgartenbau deutlich zu reduzieren.

Die FNR unterstützt das BMEL bei der Öffentlichkeitsarbeit zur Strategie und hat in einem ersten Schritt Materialien zur Endverbraucherkommunikation erstellt: einen Flyer, einen Kurzfilm und die Webseite www.torffrei.info, auf der alle drei Materialien verfügbar sind. Auch im Bereich Forschung und Entwicklung ist die FNR involviert: Sie hat einen Teil der Projektskizzen zur Begutachtung entgegengenommen, die im Rahmen der BMEL-Bekanntmachung „Torfersatz“ eingereicht wurden. Nachwachsende Rohstoffe wie Holz- und Kokosfasern, Grüngutkompost oder künftig auch Torfmoose spielen als Ersatzstoffe eine Schlüsselrolle bei der Torfminderung, ohne sie lassen sich die Ziele der Strategie nicht erreichen. In den geplanten FuE-Projekten sollen neue Torfalternativen entwickelt und bestehende verbessert werden.

Auf der BMEL-Tagung „Torfminderung“ am 18. und 19. Februar in Berlin diskutierten Wissenschaft, Erdenindustrie und Politik den aktuellen Stand bei den Torfersatzstoffen und die erforderlichen Rahmenbedingungen für die Torfminderung. Referenten aus dem europäischen Ausland berichteten über ihre nationalen Torfausstiegskonzepte.

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Flyer zur Torfminderungsstrategie des BMEL

Russischer Löwenzahn als Kautschuklieferant: Weiter züchten, Erträge steigern

Der Russischer Löwenzahn gilt als vielversprechender Kandidat für die Produktion von Naturkautschuk. Voraussetzung ist, dass er ertragreicher und damit anbauwürdig für die Landwirtschaft wird. Jetzt startete das Projekt TAKOWIND III: Der Pflanzenzüchter Eskusa GmbH, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und das Julius-Kühn-Institut für Kulturpflanzen (JKI) wollen den Russischen mit dem einheimischen Gemeinen Löwenzahn kreuzen, um Wurzelerträge und Kautschukgehalte zu steigern.

Das BMEL fördert den Forschungsverbund TAKOWIND III, bei dem es vor allem um die züchterische Weiterentwicklung von T. koksaghyz-Linien geht. Im neuen Projekt wollen die Forscher bestehendes Zuchtmaterial weiterentwickeln und dabei auch neue Erkenntnisse zur Genominteraktion und Rekombination anwenden. Außerdem sind Arbeiten zur Saatgutproduktion geplant. Es gilt, Fragen zur Aussaatfähigkeit, zur Blütenbildung über mehrere Jahre und zur Ausbreitung der Pflanzen zu beantworten. Außerdem untersuchen die Forscher die Langlebigkeit der Pflanzenbestände.

Aus den Züchtungsaktivitäten werden immer wieder neue Pflanzentypen mit veränderter Morphologie, z.B. in puncto Wurzel- und Blattmasse hervorgehen. Für die Wissenschaftler gilt es, die Pflanzenaufbereitung, Rohstoffverarbeitung und die Produktcharakterisierung jeweils daran anzupassen und die aus dem neuem Zuchtmaterial gewonnenen Kautschuke zu beurteilen.

Russischer Löwenzahn; Bild: Eskusa/F. Eickmeyer

Russischer Löwenzahn; Bild: Eskusa/F. Eickmeyer

Löwenzahn gibt Gummi

Die Nachfrage nach Naturkautschuk für die Reifenindustrie und andere Produkte steigt weltweit. Bislang wird sie ausschließlich über den Anbau des Kautschukbaums Hevea brasiliensis gedeckt, der nur in den Tropen wächst. Experten rechnen mittel- bis langfristig mit einem steigenden Naturkautschukbedarf, für den womöglich auch Regenwälder weichen müssten. Unter anderem aus diesem Grund laufen die Arbeiten zur Etablierung einer alternativen Kautschukquelle auf Hochtouren. Im Fokus steht dabei der Russische Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz). Er bildet in der Wurzel Kautschuk, dessen Eigenschaften dem des Kautschukbaums stark ähneln.

Die wichtigsten Forschungsziele von der Züchtung der Pflanze über deren Anbau und die Verarbeitung bis hin zu den Produkten umreißt das Booklet „Löwenzahn gibt Gummi“. Es ist in der FNR-Mediathek bestell- und downloadbar.

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Silphie: Hohe und stabile Erträge über viele Jahre

Silphium perfoliatum L., wie die Durchwachsene Silphie lateinisch betitelt wird, zählt zu den Dauerbrennern unter den Energiepflanzen. Erfahrungen aus 14 Anbaujahren zeigen: Die gelb blühende Silphie bietet stabile Erträge auf Mais-Niveau und lässt sich auch von klimatischen Einflüssen nur wenig beeindrucken.

Landwirte in Deutschland setzen für ihre Biogasanlagen verstärkt auf die Durchwachsene Silphie. Auf inzwischen rund 3.000 Hektar wächst die Energiepflanze zurzeit, Tendenz steigend. Für ihren Anbau spricht einiges: Ihre Blüten bieten Insekten Nahrung, als Dauerkultur schont sie die Böden, ihr Bedarf an Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln ist gering und mit ihren Erträgen spielt sie durchaus in der Mais-Liga mit.

Jetzt haben das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR), die N. L. Chrestensen Samenzucht und Produktion GmbH Erfurt und die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn umfangreiche Ergebnisse von Langzeituntersuchungen ausgewertet. Sie belegen vor allem, dass die Erträge der Silphie über viele Jahre vergleichsweise konstant bleiben und selbst deutlich über 10 Jahre alte Bestände bislang keine signifikanten Ertragsrückgänge zeigen. Bereits bei 10-jähriger Nutzungsdauer ist die blütenreiche Dauerkultur dem Mais hinsichtlich der Kosten für Frisch- und Trockenmasse im langjährigen Durchschnitt überlegen. Zudem gelingt es ihr, mit wechselnden klimatischen Verhältnissen recht gut zurechtzukommen. Allerdings reichen ihre Methanerträge nicht an die des Maises heran, woraus sich rechnerisch leichte Aufschläge für die Rohstoffkosten bei Biogas ergeben.

Durchwachsene Silphie Blüte; Bild: FNR/H. Stolte

Durchwachsene Silphie Blüte; Bild: FNR/H. Stolte

Arzneipflanzen: Wissenschaftliche Arbeitsgruppe gegründet

Um die wissenschaftliche Basis des heimischen Arzneipflanzenanbaus zu stärken, gründete das Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) in Quedlinburg zum 1. Februar eine Nachwuchsforschergruppe. Sie soll helfen, die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Arzneipflanzenanbaus zu verbessern. Die Nachwuchsforschergruppe „Arzneipflanzen“ wird vom BMEL für zunächst drei Jahre gefördert.

Arznei- und Färbepflanzen wachsen in Deutschland zurzeit auf etwa 12.000 Hektar, was den heimischen Bedarf jedoch nur in Teilen deckt. Ihr Anbau, der die Biodiversität in der Landwirtschaft deutlich zu verbessern und enge Fruchtfolgen aufzulockern vermag, gilt wegen des erforderlichen know-hows und der Anforderungen an Ernte- und Aufbereitungstechnik allerdings als Domäne von Spezialisten vor allem in den mittel- und süddeutschen Bundesländern.

In Quedlinburg forschen künftig sechs Mitarbeiter des JKI – davon fünf Nachwuchswissenschaftler – vor allem zu den Arzneipflanzenarten Johanniskraut und Anis. Sie wollen nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Anbaus verbessern, sondern auch Fragen zur Phytopathologie und zum Pflanzenschutz im Arzneipflanzenanbau beantworten. Nicht zuletzt dient das Projekt der Aus- und Weiterbildung bei der Arzneipflanzenproduktion und somit konkret den anbauenden Landwirtschaftsbetrieben.

Johanniskraut in einem Mörser mit Stößel, Quelle: ©Printemps-AdobeStock

Arzneipflanzen, Quelle: ©Printemps-AdobeStock

DLG-Feldtage 2020: FNR präsentiert das Thema Boden- und Gewässerschutz mit nachwachsenden Rohstoffen

Die diesjährigen DLG-Feldtage, die Fachmesse für Pflanzenbau und -zucht der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, finden vom 16. bis 18. Juni in Nordrhein-Westfalen in Erwitte am Rande der Soester Börde statt. Die FNR nimmt als DLG-Fachpartner teil und präsentiert Projekte und Ergebnisse aus dem Themenkomplex Boden- und Gewässerschutz. Viele der untersuchten Anbaukonzepte mit nachwachsenden Rohstoffen weisen in dieser Hinsicht interessante Potenziale auf: So können Dauerkulturen wie Wildpflanzenmischungen, Durchwachsene Silphie oder Riesenweizengras nachweislich mit niedrigen Nmin-Gehalten und geringer Erosionsneigung punkten. Streifenförmige Kurzumtriebsplantagen (KUP) mit schnellwachsenden Gehölzen im Uferbereich verringern Phosphoreinträge in Gewässer. KUP und Wildpflanzen haben einen gegenüber Mais deutlich niedrigeren Düngebedarf. Die FNR stellt einige dieser Kulturen in Erwitte auf Versuchsparzellen vor und präsentiert begleitend Ergebnisse aus den Förderprojekten. Sie nimmt außerdem an den DLG-Foren teil.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Wildpflanzen für Biogas schonen Boden und Grundwasser. Foto: FNR/M. Nast

Wildpflanzen für Biogas schonen Boden und Grundwasser. Foto: FNR/M. Nast

Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen aus Biogasanlagen“

Die FNR lädt am 15. September 2020 zur Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen aus Biogasanlagen“ nach Berlin ein. Das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin unterstützt die Veranstaltung als wissenschaftlicher Partner.

Um den steigenden Anforderungen an die Gärrestverwertung gerecht zu werden, die sich u. a. aus der Nitratrichtlinie, der Düngeverordnung sowie dem Klimaschutzplan ergeben, wächst der Bedarf an neuen Lösungen für Aufbereitung, Handling und bedarfsgerechte Ausbringung von Wirtschaftsdüngern und Gärprodukten. Längere Sperrfristen für die Ausbringung, die Begrenzung der Stickstoffgaben, die Reduzierung der Ammoniak- und Lachgasemissionen sowie daraus resultierend die notwendige Erweiterung der Lagerkapazitäten und die Abdeckung von Gärrestelagern gehören zu den wesentlichen Herausforderungen, denen sich Landwirte künftig stellen müssen.

Die 4. Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen aus Biogasanlagen“ zeigt neue Erkenntnisse zur Aufbereitung und Nutzung von Gärresten im Einklang mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auf. Dabei werden auch neue Forschungsansätze aus dem Förderaufruf „Nachhaltige Verwertung und Aufbereitung von Gärrückständen“ des BMEL vorgestellt. Die Veranstaltung wird von einer Posterausstellung begleitet. Nähere Informationen zur Tagung und zur Einreichung von Posterbeiträgen werden wir demnächst bekanntgeben.

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