Infobrief der FNR 02 / 2020: Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

2020 wurde vom Bundesforschungsministerium zum „Wissenschaftsjahr der Bioökonomie“ erklärt. Mit seiner Initiative will das BMBF das Konzept der Bioökonomie bekannter und begreifbarer machen und zur Diskussion stellen. Diesem Diskurs schließen wir uns gerne an, steht doch ein zentrales Anliegen der Bioökonomie, der Ersatz fossiler durch nachwachsende Rohstoffe, stark in unserem Fokus. Einige der im Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktuell unterstützten Projekte veranschaulichen besonders gut, was Bioökonomie bedeuten kann: so zum Beispiel die Entwicklung biobasierter und biologisch abbaubarer Schmierstoffe für Schiffsantriebe, die extremen Bedingungen standhalten und maritime Ökosysteme schützen können. Andere beschäftigen sich mit (Lebensmittel-) Verpackungen aus biobasierten Kunststoffen. Um die Details weiter zu erforschen, startete das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 2018 einen Förderaufruf, dessen erste Vorhaben derzeit beginnen. Ein besonders anschauliches und aufmerksamkeitsstarkes Bioökonomie-Projekt ist auch das BioconceptCar, dessen Karosserie mit pflanzlichen statt mit Glas- oder Carbonfasern verstärkt und im Renneinsatz erprobt wird. Während sich Naturfasern beim Fahrzeug-Innenausbau schon lange etabliert haben, gestaltete sich der Einsatz in der automobilen Außenhülle für lange Zeit als schwierig. Erfreulich ist, dass Projektpartner Porsche die flachsbasierten Bauteile inzwischen in einer ersten Serie verbaut und dass auch andere Hersteller wie BMW und Toyota beginnen, eigene Entwicklungen voranzutreiben. Treiber ist dabei vor allem die dank der Naturfasern mögliche Gewichtsersparnis von bis zu 60%, die für die Entwicklung neuer Antriebskonzepte eine durchaus zentrale Rolle spielt.

Dass es bei der Bioökonomie nicht nur um den Ersatz fossiler, sondern auch anderweitig begrenzter Ressourcen geht, zeigt das Beispiel Naturkautschuk aus Russischem Löwenzahn. Seit 2011 entwickeln Forscher mit BMEL-Unterstützung eine Alternative zum industriell genutzten Kautschukbaum Hevea brasiliensis. Russischer Löwenzahn ist in unseren Breiten kultivierbar und kann nicht nur dazu beitragen, das Angebot an Naturkautschuk zu diversifizieren, sondern gleichzeitig auch die engen heimischen Fruchtfolgen aufzulockern.

Diese und viele andere Projekte dienen der Umsetzung der neuen Nationalen Bioökonomiestrategie - vom Bundeskabinett im Januar dieses Jahres beschlossen, auch um die Aktivitäten der verschiedenen Ressorts in diesem Sektor zu forcieren und noch stärker zu bündeln.

Der Anbau von Industrie- und Energiepflanzen gilt als wichtiger Schlüssel für die Bioökonomie. Auf europäischer Ebene findet derzeit mit der Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik (GAP) ein Prozess statt, der darauf spürbare Auswirkungen haben könnte. U. a. werden jetzt die Entscheidungen darüber getroffen, welche ökologisch besonders vorteilhaften Kulturen und Anbausysteme künftig eine entsprechende Förderung erhalten. Auch einige nachwachsende Rohstoffe wären hier interessante Kandidaten, dazu zählen Dauerkulturen für Biogasanlagen wie Wildpflanzenmischungen, die Durchwachsene Silphie oder das Riesenweizengras, die einen Beitrag zum Arten-, Gewässer- und Erosionsschutz leisten. So lässt sich vor allem in Wildpflanzenbeständen ein breites Insektenspektrum nachweisen, darunter etliche Arten der Roten Liste bis hin zur Kategorie „vom Aussterben bedroht“. Eine Förderung ökologisch vorteilhafter, aber wirtschaftlich nicht allein tragfähiger Kulturen könnte den Anbau für Biogas spürbar vielfältiger gestalten und ihm mehr Akzeptanz verschaffen. Die vielen Zusatzleistungen, die Biogasanlagen neben der reinen Strom- und Wärmeerzeugung erbringen oder erbringen könnten - vom Gewässer- und Artenschutz über das klimafreundliche Handling von Gülle und Mist bis hin zur Stabilisierung der Energiesysteme gilt es zu erhalten und auszubauen. Bislang werden diese Zusatzleistungen nicht bzw. nur über den Strompreis honoriert. Die GAP bietet auch eine Möglichkeit, dies zu ändern!

Herzlichst, Ihr

Dr.-Ing. Andreas Schütte

Dr.-Ing. Andreas Schütte

Dr.-Ing. Andreas Schütte, Geschäftsführer

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