Infobrief der FNR 02 / 2020: Bioenergie

Förderaufruf Saubere Verbrennung von festen Biobrennstoffen in Kleinfeuerungsanlagen mit sehr geringen Schadstoffemissionen

Mit dem Förderaufruf motiviert das BMEL dazu, Feuerungsanlagen für Holz- und andere Biobrennstoffe deutlich weiterzuentwickeln. Der an Hersteller und Forschungseinrichtungen adressierte Förderaufruf wirbt Projektvorschläge ein, die zur Entwicklung wissenschaftlich fundierter Grundlagen sowie zukunftsfähiger Konzepte und Verfahren für die emissionsarme Bereitstellung und Nutzung von Wärme aus Biomasse durch kleine Biomassefeuerungsanlagen beitragen. Die Projekte sollen die Markterfordernisse zielgerichtet im Blick haben und der systemdienlichen Nutzung von Wärme aus Biomasse eine Entwicklungsperspektive geben.

Einreichungsfrist für Skizzen: 30. Juni 2020

Gefördert aus: Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe

Förderaufruf Optimierung der Biomethanerzeugung

Biomethan ist ein vielseitiger, flexibler Energieträger, dessen Nutzung effektiv zum Gelingen der Energiewende und zur Dekarbonisierung des Energiesystems beitragen kann. Einsatzmöglichkeiten in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr bieten enormes Potenzial für die Sektorenkopplung. Dazu kann Biomethan in der chemischen Industrie als Alternative zu fossilen Rohstoffen eingesetzt werden. Um dieser Bedeutung gerecht zu werden, initiiert das BMEL mit diesem Förderaufruf Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Optimierung der Biomethanerzeugung.

Im Fokus des Förderaufrufes stehen Untersuchungen zur Effizienzsteigerung, zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und zur Verringerung von Emissionen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Maßnahmen zur Umrüstung von Bestands-Biogasanlagen mit Stromerzeugung auf die Biomethanproduktion. Dieses kann für eine Anzahl von Anlagen durchaus ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell sein. Bisher ist die Aufbereitung kleinerer Gasmengen allerdings nicht wirtschaftlich und auch die Zusammenführung des Rohgases an zentralen Standorten spielt kaum eine Rolle. In diesen Bereichen gilt es, neue Ideen voranzubringen und Bestehendes zu verbessern.

Einreichungsfrist für Skizzen: 15. Juli 2020

Gefördert aus: Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe

Förderaufruf Energetische und emissionsmindernde Nutzung von Wirtschaftsdüngern

Methan – rund 25-mal klimawirksamer als CO2 – trägt in erheblichem Maß zu den Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft bei. Allein die Wirtschaftsdünger, die bislang noch nicht als Substrat in Biogasanlagen genutzt werden, setzen jährlich rund 250.000 Tonnen Methan in Deutschland frei.

Auch wenn tierische Exkremente vergleichsweise wenig Energie enthalten, macht es aus Klimaschutzgründen Sinn, sie in Biogasanlagen zu vergären. Dort wird das Methan als Biogas energetisch genutzt und so quasi klimaunschädlich gemacht. Allerdings: Die leicht mobilisierbaren Wirtschaftsdüngermengen werden heute bereits überwiegend in Biogasanlagen verwertet.

Um diesen Anteil signifikant zu erhöhen, sind neue Konzepte und Rahmenbedingungen erforderlich. Dazu will das BMEL jetzt gezielt anwendungsnahe Forschungsprojekte unterstützen und definiert im aktuellen Förderaufruf diese 4 Schwerpunkte:

  • Entwicklung von Anlagentechnik und Vergärungsverfahren
  • Neue Technologien, Konzepte und Systeme zur Aktivierung des Rohstoffpotenzials
  • Emissionsminderung bei der Lagerung von Gülle inklusive alternativer Nutzung bzw. THG-neutrale Behandlung von anfallenden Lagergasen sowie
  • Gasbildungs- und Restgaspotenziale in Gülle- und Gärrestlagern.

Einreichungsfrist für Skizzen: 30. November 2020

Gefördert aus: Sondervermögen „Energie- und Klimafonds“ der Bundesregierung

European Biomass Conference & Exhibition

Die ursprünglich für Ende April in Marseille geplante 28. Europäische Biomassekonferenz und –ausstellung wurde aufgrund der COVID-19 Pandemie auf den 6.-9. Juli 2020 verschoben. Mit den andauernden Reisebeschränkungen ist jetzt geplant, Tagung und Ausstellung virtuell als e-EUBCE durchzuführen. Einzelheiten, auch die Beteiligung der FNR mit nationalen und europäischen Aktivitäten betreffend, werden in den nächsten Wochen bekannt gegeben.

Holzverwendung nützt dem Klima

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass mit der stofflichen und energetischen Nutzung nachhaltig erzeugten Holzes eine bessere CO2-Bilanz erzielt wird als durch die alleinige Erhöhung des Kohlenstoffspeichers bei Nutzungsverzicht in den Wäldern.

Aktuell speichern Bäume und Böden der Wälder bundesweit etwa 1,23 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, weitere 34 Millionen Tonnen sind im Totholz gespeichert, Tendenz steigend. Damit entlastet der Wald die Atmosphäre jährlich um rund 62 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das entspricht sieben Prozent der Emissionen in Deutschland.

Das Bauen, Heizen oder die Stromerzeugung mit Holz ersetzen die CO2-intensive Aufbereitung und Verwendung der begrenzt vorrätigen fossilen Ressourcen Kohle, Öl und Gas. Die Substitutionseffekte der stofflichen und energetischen Holzverwendung eingerechnet, verdoppelt sich der Kompensationseffekt der Waldnutzung auf 120 Millionen Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr.

Der positive Klimaeffekt ist am größten bei regionaler Verwendung von Holz, das nach langfristiger Mehrfachnutzung am Ende der Nutzungskette zur Energieerzeugung eingesetzt wird. Dabei leistet auch die energetische Nutzung von Holz einen Beitrag zum Klimaschutz, denn Holzverbrennung ist weitgehend klimaneutral.

Die energetische Nutzung von Holz ist weitgehend CO2-neutral. Grafik: FNR

Die energetische Nutzung von Holz ist weitgehend CO2-neutral. Grafik: FNR

20. Fachkongress Holzenergie

Der Fachkongress Holzenergie ist die Leitveranstaltung des bundesdeutschen Holzenergiemarktes. Aufgrund der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie wird der Kongress in diesem Jahr nicht wie geplant auf der Festung Marienberg in Würzburg stattfinden können. Der vom Fachverband Holzenergie und der FNR gemeinsam ausgerichtete Fachkongress Holzenergie wird daher im Zeitraum vom 22. bis 30. September 2020 als Online-Veranstaltung mit Webinaren zu den verschiedenen Themenbereichen der Holzenergie umgesetzt. Die Webinare werden auf 6 Tage verteilt, so dass interessierten Personen eine Teilnahme an allen digitalen Fachforen ermöglicht wird.

Ziel des Fachkongresses ist es, den aktuellen Sachstand über die vielfältigen holzenergierelevanten Gesetzesinitiativen aufzuzeigen und entsprechende Handlungsempfehlungen mit den Webinar-Teilnehmern zu diskutieren. Der Holzenergiekongress bietet aktuelle Informationen zu Marktentwicklungen in den Bereichen Energieholz- und Altholzverwertung, zu Entwicklungen und Projekten in den Bereichen dezentrale Energieversorgung, Fernwärme und Prozesswärme, Holzgas und Holzasche, Nachhaltigkeit und Umwelt (insb. zu den verschiedenen Aspekten, Optionen und Instrumenten der CO2-Minderung durch Holzenergie).

Aktuelle Veranstaltungshinweise und Programminformationen werden demnächst auf der Kongress-Website bekannt gegeben.

Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen aus Biogasanlagen“

Die FNR lädt am 15. September 2020 zur Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen aus Biogasanlagen“ ein. Das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin unterstützt die Veranstaltung als wissenschaftlicher Partner.

Um den steigenden Anforderungen an die Gärrestverwertung gerecht zu werden, die sich u. a. aus der Nitratrichtlinie, der Düngeverordnung sowie dem Klimaschutzplan ergeben, wächst der Bedarf an neuen Lösungen für Aufbereitung, Handling und bedarfsgerechte Ausbringung von Wirtschaftsdüngern und Gärprodukten. Längere Sperrfristen für die Ausbringung, die Begrenzung der Stickstoffgaben, die Reduzierung der Ammoniak- und Lachgasemissionen sowie daraus resultierend die notwendige Erweiterung der Lagerkapazitäten und die Abdeckung von Gärrestelagern gehören zu den wesentlichen Herausforderungen, denen sich Landwirte künftig stellen müssen.

Die 4. Fachtagung zeigt neue Erkenntnisse zur Aufbereitung und Nutzung von Gärresten im Einklang mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auf. Dabei werden auch neue Forschungsansätze aus dem Förderaufruf „Nachhaltige Verwertung und Aufbereitung von Gärrückständen“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vorgestellt. Die Veranstaltung wird von einer Posterausstellung begleitet.

Die Fachtagung findet nach derzeitigem Stand der Dinge als Webinar mit Online-Posterausstellung statt. Nähere Informationen und Updates zur Tagung werden auf der Veranstaltungswebsite veröffentlicht.

Heizen mit Holz - so geht's richtig

Mit der nun in 4. aktualisierter Auflage veröffentlichten Broschüre „Heizen mit Holz – so geht’s richtig“ klärt die FNR in Zusammenarbeit mit den Verbänden der Hersteller von Heiz- und Kochgeräten (HKI) und der Schornsteinfegerinnungen (ZIV) zum richtigen Heizen mit Holz auf. Darüber hinaus bietet die Broschüre eine Entscheidungshilfe für die Auswahl und Planung neuer moderner Holzfeuerstätten.

Im Hinblick auf die Reduzierung von Feinstaubemissionen kommt der richtigen Bedienung von Holzheizungen eine ganz besondere Bedeutung zu. Untersuchungen an Forschungseinrichtungen zeigen, dass eine sachgerechte Bedienung von Holzöfen den Feinstaubausstoß und andere Umweltbelastungen zu reduzieren hilft. Sie finden in dieser Broschüre die wesentlichen Informationen zum richtigen Heizen mit Holz. Auch für den erfahrenen Holzheizer dürfte noch das eine oder andere Wissenswerte dabei sein. Zudem wird ein Überblick über die gängigen Typen von Feuerstätten gegeben. Damit bietet die Broschüre auch denen, die eine moderne Holzfeuerung neu anschaffen oder einen alten Ofen austauschen möchten, wichtige Informationen.

Marktübersicht Scheitholzvergaser-/Kombikessel

Heizen mit Scheitholz in modernen Scheitholzvergaserkesseln reduziert Treibhausgasemissionen im Vergleich zu anderen Wärmeerzeugern sehr erheblich. Moderne Scheitholzvergaserkessel zeichnen sich zudem durch sehr geringe Emissionen und hohe Wirkungsgrade aus. Vor allem für Besitzer von Eigenheimen und Mehrfamilienhäusern lohnt sich die Anschaffung eines Scheitholzvergaserkessels oder eines Scheitholz-Pellet-Kombikessels.

Die Entscheidungsfindung für einen Scheitholzvergaserkessel bzw. einen Scheitholz-Pellet-Kombikessel erleichtert die von der FNR neu herausgegebene Marktübersicht. Sie vergleicht die technischen Daten und Preise der aktuell verfügbaren Modelle und bietet wichtige Hinweise für die Planung und Modellauswahl. Die neue Marktübersicht kann bei der FNR bestellt und auch online eingesehen werden. Die Daten zu den Kesselmodellen werden zudem auch als Datenbankangebot für Produktrecherchen bereitgehalten. 

Grüne Plattformchemikalien aus Biogasanlagen

Als Zwischenprodukt entstehen bei der Biogaserzeugung organische Säuren, wie z. B. Buttersäure, die in erhöhten Konzentrationen hemmend auf die Methanbildung im Fermenter wirken. In der Futtermittel- und Lebensmittelindustrie sowie in der Kosmetikbranche werden vor allem Buttersäurederivate z. B. für Aromen wie Apfel, Ananas, Erdbeere oder Aprikose eingesetzt. In einem Verbundvorhaben ist es Forschern jetzt gelungen, Säuren aus der Hydrolysestufe der Biogaserzeugung durch Membrantechnik zu extrahieren und aufzukonzentrieren. Diese Säuren können im Lebensmittel- und Futtermittelsektor als Basischemikalien eingesetzt werden und so einen wirtschaftlichen Mehrwert für Betreiber von Biogasanlagen schaffen.

Zur Steigerung des Säuregehalts in der Hydrolyse werden die Prozessabläufe durch Temperatur- und pH-Wertregulierung sowie Substratauswahl gezielt gesteuert. Die Abtrennung der Säuren aus dem Hydrolysat erfolgt mit Hilfe von Membrantechnik. Dabei geht die Gesamtheit der enthaltenen Fettsäuren (99%) in eine klare, schwebstofffreie Permeatlösung über. Die separierten Feststoffe werden zurück in den Fermenter gegeben. Die in der Permeatlösung als Säuregemisch vorliegen Säuren lassen sich durch die Kombination des Membranverfahrens mit einer Lösungsmittelextraktion und Destillation als reine Säuren gewinnen. So gelingt es, kurzkettige Säuren wie z. B. Buttersäure, Valeriansäure und Capronsäure nahezu vollständig zu extrahieren. Der Aufwand des Trennverfahrens ist hoch. Weitere technische Verbesserungen sind zu entwickeln, um eine auch wirtschaftlich erfolgreiche Umsetzung der Säuretrennung zu ermöglichen.

Erforschung neuer Lösungen für textile Biogasspeichersysteme

Derzeit ist eine Auslegung von Biogasspeichern mit hohen Kapazitäten nur bedingt möglich. Die auf die nachgiebigen textilen Speicherabdeckungen einwirkenden Lasten, z. B. durch Wettereinflüsse, sowie deren Weiterleitung und Verteilung auf Gasmembran, Wetterschutzhülle oder Befestigung sind bislang nur unzureichend bekannt.

Forscher haben nun eine neuartige Methode zur Biogasspeicherung entwickelt, die sich durch geringe Investitions- und Unterhaltskosten auszeichnet, eine bis zu dreifach höhere Biogasspeicherkapazität bietet und zur flexiblen Biogasbereitstellung beiträgt.

In dem Vorhaben wurde ein Versuchsspeicher errichtet, um relevante Umwelteinflüsse zu vermessen. Dazu wurden verschiedene Systemzustände mit einer eigens entwickelten Messtechnik erfasst. Die Systeme Tragluftdach und Gasspeichermembran, ausgerüstet mit Temperatur-, Druck- und Strömungssensoren sowie Lüftern, konnten dabei getrennt angesteuert und geregelt werden.

Zur Untersuchung der Membraneigenschaften wurden Belastungsversuche durchgeführt. Ungleichmäßige Falteigenschaften der Gasmembran konnten durch um 90° verdrehte Radialzuschnitte der halbkugelförmigen Abdeckung, bei der zwei halbe Polenden am Rand des Fermenters aufliegen, verbessert werden. Dies führte zu einem homogenen Faltmuster ohne starke lokale Faltenbildung und damit zu geringeren mechanischen Belastungen der Membrane. Hohe Belastungen der äußeren Membran hervorgerufen durch Druckänderungen im Gasspeicher werden durch die Regelung der Stützluftgebläse reduziert. Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse wurde ein Berechnungstool für die Auslegung und die effiziente Fertigung von Biogasspeichern entwickelt.

Inzwischen konnte die Fa. Seybold bereits einige Gasspeichersysteme mit der untersuchten Halbkugelform, die ein Höchstmaß an Standsicherheit und einen optimalen Betrieb gewährleisten, erfolgreich umsetzen. Daneben wurden auch mehrfach Membrankonstruktionen in Halbkugelform auf Bodenfundamenten als externe Gasspeicher realisiert.

Regelbare Biogasproduktion

Die konsequente Flexibilisierung von Biogasanlagen leistet einen wichtigen Beitrag zur Markt- und Netzintegration der Erneuerbaren Energien. Die bedarfsgerechte Stromerzeugung wird hierzu häufig über die Speicherung des Gases mit zusätzlichen Speicher- und BHKW-Kapazitäten realisiert. Die Flexibilität des Einspeisebetriebes ist somit von der Größe der Gasspeicher und der Reaktionsgeschwindigkeit der zusätzlich installierten BHKWs abhängig.

Am Standort der großtechnischen Versuchsbiogasanlage der Landesanstalt Landwirtschaft Hessen haben Forscher erfolgreich eine Vorstufe zur Flexibilisierung der Gaserzeugung im Pilotmaßstab errichtet. Mit der neuartigen Anlage zur Regelung der Biogasproduktion wird der zur Verstromung notwendige Biogasspeicherbedarf deutlich reduziert und die Flexibilität erhöht.

Die entwickelte ReBi-Anlage besteht aus einer Hydrolysestufe, einer Separation und einem Festbettfermenter. Der Hydrolysereaktor ermöglicht die Trennung der Prozessphasen und dient der Erzeugung leicht abbaubarer Substrate. Die anschließende Separation trennt das Hydrolysat in Fest- und Flüssigphase. Die abgetrennten Feststoffe werden in den Fermenter für die kontinuierliche Biogasproduktion eingebracht. Die flüssige Phase kann zeitlich gezielt in den Festbettreaktor mit erhöhter Bakteriendichte geleitet werden, was eine von der Verweilzeit entkoppelte, hoch flexible Biogasbildung ermöglicht.

Der Festbettreaktor konnte über einen Zeitraum von 3 Monaten angefahren werden und lieferte sehr gute Gasqualitäten mit Methangehalten von über 70 Vol.-%. Allerdings sind weitere Untersuchungen zur Ermittlung der Belastungsgrenzen des Festbettreaktors sowie zur Variation der organischen Belastung notwendig. Ein wirtschaftlicher Betrieb der ReBi-Anlage ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen jedoch nur unter äußerst günstigen Standortbedingungen möglich.

Großtechnische ReBi-Pilotanlage, Quelle: U. Hoffstede

Großtechnische ReBi-Pilotanlage, Quelle: U. Hoffstede

Mehr als nur Strom: Mit den richtigen Rahmenbedingungen können Biogasanlagen eine Menge für die Gesellschaft leisten

In der Studie MakroBiogas wurden die zusätzlichen Biogas-Benefits genauer analysiert und quantifiziert. Es wird deutlich, in welchem Maße vielfältige Leistungen für die Gesellschaft wegzubrechen drohen, sollten die rund 9.000 Biogasanlagen in Deutschland nach dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) keine ökonomische Perspektive mehr haben.

Die vielfältigen Zusatzleistungen von Biogasanlagen jenseits der Strom-, Wärme- und Methanerzeugung werden gesellschaftlich oft wenig wahrgenommen und finanziell nicht honoriert. Sie finden sich vor allem in den Bereichen Nährstoffmanagement, Erosionsschutz, Fruchtfolgen, Biodiversität, Grünlandschutz sowie in der Verwertung von Grünschnitt, Gülle und Mist oder der Entsorgung von Bioabfällen. Biogasanlagen verringern auch die klimaschädlichen Methanemissionen aus Rohgülle, die bei einer Vergärung in der Biogasanlage abgefangen und energetisch genutzt werden.

Wenn die auf 20 Jahre festgelegte EEG-Vergütungsdauer demnächst für immer mehr Biogasanlagen ausläuft, droht zudem ein Rückschritt bei der erneuerbaren Energieerzeugung. Dabei wird bis 2035 einen Wegfall von 30 TWh erneuerbarem Strom, 15 TWh erneuerbarer Wärme aus Kraft-Wärme-Koppelung und 4,8 GW steuerbarer Leistung zum Ausgleich der schwankenden Wind- und Sonnenenergie prognostiziert.

Die Autoren der Studie plädieren dafür, den ökonomisch-regulatorischen Rahmen für Biogasanlagen anzupassen, damit diese ihre zusätzlichen Leistungen noch besser bzw. zum Teil überhaupt erst entfalten können. Ohne Biogasanlagen müssten viele der Dienstleistungen auf andere Weise erbracht und finanziert werden. Dies sollte bei der Diskussion über die Zukunft der Biogasanlagen stärker als bislang berücksichtigt werden.

Das BMEL hat die Erstellung der Studie „Analyse der gesamtökonomischen Effekte von Biogasanlagen (MakroBiogas)“ über den Projektträger FNR gefördert. Der Abschlussbericht steht auf fnr.de unter den Förderkennzeichen 22403616, 22406517 und 22406717 zur Verfügung.

Biogasanlagen können mehr als nur Strom und Wärme erzeugen. Foto: FNR/D. Hagenguth

Biogasanlagen können mehr als nur Strom und Wärme erzeugen. Foto: FNR/D. Hagenguth

(Nah-) Wärme aus Stroh und Heu

Im Projekt „Wirtschaftlichkeit verschiedener Wertschöpfungsketten von halmgutbasierten Heizwerken mit Nahwärmenetzen“ analysierte die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) mehrere Halmgutheizwerke und ein Strohheizkraftwerk. Im Ergebnis steht jetzt der Leitfaden „Halmgutheizwerke - Wirtschaftlichkeit und Planungsrichtwerte“ zur Verfügung.

Moderne Halmgut-Heizkessel sind effizient, emissionsarm und erreichen hohe Wirkungsgrade. Stroh aus der Landwirtschaft, Halmgut aus der Landschaftspflege sowie von Flächen, die aus naturschutzfachlichen Gründen einmal jährlich gemäht werden, stehen mit jährlichen Mengen von über 10 Mio. Tonnen für eine energetische Nutzung zur Verfügung. Das entspricht einem Energiegehalt von etwa 140 PJ und liegt damit immerhin in der Größenordnung der derzeitigen Energie-Erzeugung aus Photovoltaik in Deutschland.

Trotz dieser hoffnungsvollen Voraussetzungen werden bisher jedoch nur vergleichsweise wenige Heizwerke mit Stroh, Heu, Paludibiomasse, Miscanthus oder sonstigem Halmgut betrieben. Mit dem Ziel, Landwirten und Kommunen fundierte Informationen zum Heizen mit Halmgut geben zu können, untersuchte die LFA vier mit Stroh bzw. Heu zur Nahwärmeversorgung betriebene Heizwerke (500 bis 1.000 kW) und ein Stroh-Heizkraftwerk (49 MW), bestimmte die Wärme- bzw. Energiegestehungskosten in Abhängigkeit von der Anlagenauslastung sowie die Erfolgsfaktoren. Zur Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit wurden den Wärmegestehungskosten von Halmgutheizwerken die einer Wärmeversorgung für Haushalte und Industrie aus Erdgas-Heizwerken gegenübergestellt. Im Ergebnis der Berechnungen zeigen sich Halmgutheizungen bei günstigen Standortbedingungen und hinreichender Anlagenauslastung als wirtschaftlich vorzüglich.

Auf Grundlage der Ergebnisse des Forschungsprojekts hat die LFA den Leitfaden „Halmgutheizwerke - Wirtschaftlichkeit und Planungsrichtwerte“ veröffentlicht. Der Leitfaden unterstützt Landwirte und Landschaftspflegeverbände, Bioenergiedörfer und sonstige Kommunen bei der Planung und Umsetzung von Halmgutheizwerken.

Über 10 Mio. Tonnen Halmgut stehen in Deutschland für eine energetische Nutzung zur Verfügung, Quelle: FNR/Dr. Hansen

Über 10 Mio. Tonnen Halmgut stehen in Deutschland für eine energetische Nutzung zur Verfügung, Quelle: FNR/Dr. Hansen

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