Infobrief der FNR 02/2022: 

Maßnahmen zum Moorbodenschutz/Torfminderungsstrategie

Klimawirksame Maßnahmen zum Schutz von Moorböden sowie die Minderung des Einsatzes von Torf sind ein Bestandteil des Klimaschutzpaketes der Bundesregierung. Das BMEL stellt hierfür Mittel aus dem Sondervermögen „Energie- und Klimafonds“ (EKF) zur Verfügung.

Die FNR ist vom BMEL beauftragt, die Förderung

  • von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Torfminderung und zum Moorbodenschutz, aber auch
  • für Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Torfersatz im Hobby- und Friedhofsgartenbau sowie zum Moorbodenschutz

als Projektträger zu betreuen. Mit Stand von Juni 2022 betreut die FNR 29 Projekte mit einem Fördermittelvolumen von 10,8 Mio. €. Die Fach- und Verbraucherinformation zum Thema Torfminderung rundet das Handlungsfeld der FNR ab.

Blumen pflanzen im Garten

Bild: ©Leika production/stock.adobe.com

Anzeigen und Plakatierungen zur Torfminderung

Die Torfminderungsstrategie des BMEL setzt primär auf die Aufklärung der Hobbygärtner und -gärtnerinnen. Mit Anzeigen in beliebten Garten-Magazinen und Großflächen-Plakatierungen in der näheren Umgebung von Baumärkten und Gartencentern werden die Endverbraucher zurzeit gezielt angesprochen, um das Bewusstsein zu schärfen und die Nachfrage nach torffreien Erden zu steigern.

Plakatwand mit Motiv zur Kampagne "Weniger Torf, Moor Schutz!"

Foto: diesirae - stock.adobe.com

Jugend forscht prämiert schnelle Samen für neue Moore

Das diesjährige Finale im Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ mit dem Motto „Zufällig genial?“ fand nach zwei Jahren Pause am 28. Mai wieder in Präsenz in Lübeck statt.

Bei der Sonderpreisverleihung erhielt der Husumer Cornelius-Ägidian Quint den vom BMEL gestifteten und mit 1.500 Euro dotierten Sonderpreis „Nachwachsende Rohstoffe“ für seine Arbeit „Sphagnum Mikrosphären. SMS – die schnelle Moor-Renaturierung.“ Der Jungforscher fand eine Möglichkeit, wie sich Moose auf ehemaligen Moorflächen schneller wieder ansiedeln lassen. Dazu verpackte er vermehrungsfähige Pflanzenzellen so, dass sie sich wie Samenkörner großflächig ausstreuen lassen. Der Jungforscher vermehrte Sprossen der Moosart Sphagnum fallax in gefiltertem Moorwasser und umhüllte sie mit Alginaten, aus denen in feuchtem Torf kleine Moospflanzen wachsen.

Neben dem Sonderpreis des BMEL sicherte sich der Gymnasiast ebenfalls den vom Bundeskanzler Olaf Scholz gestifteten Preis für die originellste Arbeit.

Mit den Sonderpreisen „Nachwachsende Rohstoffe“ honoriert das BMEL den Forschergeist junger Menschen und deren zukunftsweisende Ideen, die sich mit biobasierten Produkten und Energieträgern, Wald und Holz oder Moorschutz befassen

Sonderpreisträger „Nachwachsende Rohstoffe“ Cornelius-Ägidian Quint mit seinen Moosen; Bild: ©Stiftung Jugend forscht

Sonderpreisträger „Nachwachsende Rohstoffe“ Cornelius-Ägidian Quint mit seinen Moosen; Bild: ©Stiftung Jugend forscht

Tagung „Torfminderungskonzepte“

Im Auftrag des BMEL lädt die FNR am 21. und 22. Juni 2022 zur Tagung „Torfminderungskonzepte“ an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising ein.

Im Fokus der Veranstaltung stehen die spartenübergreifende Diskussion des aktuellen Stands, der Herausforderungen und der Chancen der Torfminderung im Gartenbau in Deutschland sowie den Nachbarländern Österreich und Schweiz.

Am ersten Tag werden der klassische Erwerbsgartenbau und die Interessen der verschiedenen Stakeholder fokussiert. Neben Forschungsbeiträgen zu den Herausforderungen einer torfreduzierten Kulturführung stellen auch die Erdenindustrie und der Handel ihre Sichtweisen zum Torfausstieg vor. Im Rahmen von vier Roundtables finden die Teilnehmenden das Podium zum spartenspezifischen Austausch.

Am zweiten Tag widmet sich die Tagung dem kommunalen Bereich - im Speziellen der Genehmigungspraxis für neue Kompostierungs- und Lagerplätze sowie der Kreislaufwirtschaft in Kommunen. Zudem gibt es Einblicke zur Zertifizierung von alternativen Substratausgangsstoffen sowie zur ökonomischen Betrachtung der Torfersatzstoffe in der Praxis.

Workshopreihe „Torfminderung im Erwerbsgartenbau“

Um den Wissenstransfer neuer Erkenntnisse zu einer torfreduzierten Kulturführung in die Praxis zu ermöglichen und Wissensdefizite abzubauen, führen die FNR und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Auftrag des BMEL fünf Experten-Workshops zum Thema „Torfminderung im Erwerbsgartenbau“ durch.

Unterstützt wird die Veranstaltungsreihe von unseren Partnern, dem Industrieverband Garten e. V. (IVG), dem Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG) und der Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen e. V. (ggs).

Die ersten beiden Online-Veranstaltungen widmeten sich dem Thema Frühjahrsblüher und der Sparte Topfkräuter. Der nächste Online-Workshop am 7. September 2022 wird die Torfminderung in Baumschulen thematisieren

Besuchen Sie uns auf der spoga+gafa in Köln

Die spoga+gafa vom 19.-21.6.22 ist die größte Gartenmesse der Welt. Sie ist bekannt für ihre hohe Internationalität an Ausstellern und Besuchern. Die Messe bietet eine gute Plattform für die Aktivitäten des BMEL in dem Bereich Torfminderung. Mit seinen Produkten leistet der Gartenbau einen entscheidenden Beitrag für den Klimaschutz. Die Torfminderung in Kultur- und Hobbysubstraten ist ein bedeutender Teil dessen, wofür der Messedialog zwischen verschiedenen Branchenvertretern aus dem Erwerbsgartenbau, der Industrie sowie weiteren für die Fortentwicklung der Torfminderung wichtigen Stakeholdern, genutzt werden konnte.

Sie finden uns in der Passage Hallen 4/5, A008, Stand: B009.

Schulwettbewerb Torffrei Gärtnern 2022

Der bundesweite Schulwettbewerb „Torffrei gärtnern” ermöglicht es Schulen, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften, sich aktiv mit der Bedeutung von torffreien Produkten auseinanderzusetzen – sowohl für das Gärtnern und die Böden als auch für den Klima- und Moorschutz. Schulklassen oder Arbeitsgruppen von der 1. bis zur 10. Klasse (Grundschule und Sekundarstufe 1) sind bis Ende Mai 2023 dazu aufgerufen, selbst mit torffreier Erde zu gärtnern bzw. sich mit dem Thema Torfminderung zu befassen. Art, Inhalt und Umfang der Projekte sind dabei keine Grenzen gesetzt und können völlig frei gestalten werden.

Bundesweiter Schulwettbewerb des BMEL „Weniger Torf, Moor Schutz!“, Bild: ©Krakenimages.com – stock.adobe.com

Bundesweiter Schulwettbewerb des BMEL „Weniger Torf, Moor Schutz!“, Bild: ©Krakenimages.com – stock.adobe.com

Zertifizierung: Damit torffreie Erden nachhaltig sind

Die Meo Carbon Solutions GmbH entwickelt und etabliert bis 2026 ein Zertifizierungssystem für Torfersatzstoffe. Das Vorhaben wird vom BMEL finanziert und über die FNR begleitet.

Torf, noch immer wichtiger Bestandteil vieler gärtnerischer Substrate und Erden, soll durch klimafreundlichere Rohstoffe ersetzt werden. Holzfasern, Kompost, Rindenhumus und Reststoffe aus der Kokosindustrie sind bislang die wichtigsten Torfalternativen. Sie werden zum Teil international gehandelt, wobei die Mengen künftig voraussichtlich stark steigen.

Damit alle Marktteilnehmer vom erdenherstellenden Unternehmen bis zu Gärtnerinnen und Gärtnern sicher sein können, dass diese Torfersatzstoffe nachhaltig sind, entwickelt und etabliert Meo Carbon Solutions bis 2026 ein internationales Zertifizierungssystem. Es soll vor allem die Aspekte Ökologie, Soziales und Klimaschutz abdecken und sicherstellen, dass für die Ersatzstoffe kein Wald gerodet oder übernutzt wurde und bei ihrer Herstellung keine Kinderarbeit im Spiel war. In puncto Klimaschutz wird das System ermöglichen, die Treibhausgas(THG)-Einsparung der Ersatzstoffe gegenüber denen von Torf einheitlich zu beziffern. Die Berechnungsmethodik dafür entwickelt Meo in Abstimmung mit dem Thünen-Institut für Agrartechnologie, das im Rahmen des Projektes MITODE bereits zur Ökobilanzierung von Torfersatzstoffen arbeitet.

Kompost aus Grüngut: In Deutschland gibt es mehrere hundert Grüngut-Kompostierungsanlagen, die regional allerdings sehr unterschiedlich verteilt sind. Das Rohstoffpotenzial ist noch nicht vollständig erschlossen – mancherorts könnte Grünschnitt aus Gärten und öffentlichen Grünanlagen noch systematischer eingesammelt werden. Wenn Kompost nicht aus der Region stammt, schlagen das hohe Gewicht und hohe Transportemissionen negativ zu Buche.

Kompost aus Grüngut: In Deutschland gibt es mehrere hundert Grüngut-Kompostierungsanlagen, die regional allerdings sehr unterschiedlich verteilt sind. Das Rohstoffpotenzial ist noch nicht vollständig erschlossen – mancherorts könnte Grünschnitt aus Gärten und öffentlichen Grünanlagen noch systematischer eingesammelt werden. Wenn Kompost nicht aus der Region stammt, schlagen das hohe Gewicht und hohe Transportemissionen negativ zu Buche.

Modell- und Demonstrationsvorhaben Hobby-Gartenbau mit torfreduzierten und torffreien Substraten auf Basis nachwachsender Rohstoffe (HOT)

Im April 2022 startete das Modell- und Demonstrationsvorhaben HOT („Hobby-Gartenbau mit torfreduzierten und torffreien Substraten auf Basis nachwachsender Rohstoffe“). Um mit der Botschaft „Torffreie Blumenerden sind ein Beitrag zum Klimaschutz“ alle gärtnernden Zielgruppen gleichermaßen zu erreichen, analysiert das Team des neuen Projektes HOT diese genau, entwickelt maßgeschneiderte Kommunikationsmaßnahmen und setzt sie um. Beteiligt am Verbund HOT sind die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) und das GreenSurvey - Institut für Marktforschung. Ziel des Vorhabens ist es, den aus Klimaschutzgründen beschlossenen Torfausstieg im privaten Bereich zu unterstützen.

Bild: rupbilder – stock.adobe.com

Bild: rupbilder – stock.adobe.com

Flyer "Tipps zum torffreien Gärtnern"

Mit dem Flyer "Tipps zum torffreien Gärtnern" werden Hobbygärtner und Hobbygärtnerinnen wichtige Hinweise im Umgang mit torffreien Substraten gegeben. Er beinhaltet Informationen angefangen von Tipps beim Kauf der Erden bis hin zur optimalen Wässerung, Düngung und Lagerung der Erden. Der Flyer sowie weitere interessante Informationen zu Torfersatzstoffen sowie eine Marktübersicht mit torffreien Produkten sind auf torffrei.info zu finden.

Tipps zum torffreien Gärtnern