Infobrief der FNR 03 / 2020: EU / International

Deutsch-Brasilianische Bekanntmachung für Bioökonomievorhaben und Arzneipflanzen

Im Rahmen der Fördermaßnahme „Bioökonomie International 2021 – Deutschland-Brasilien“ sollen durch Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu zentralen Fragestellungen der Bioökonomie aktive, tragfähige deutsch-brasilianische Kooperationen unterstützt werden. Neben den technologischen Aspekten und Entwicklungszielen im Kontext der Bioökonomie sind auch systemische Ansätze und sozioökonomische Aspekte von Bedeutung.

Die Bekanntmachung ist Teil einer gemeinsamen Förderinitiative des BMEL und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Das BMEL wird sich am internationalen Gesamtbudget der Bekanntmachung mit einem Betrag in Höhe von 1 Mio. Euro beteiligen.

Mit der vorliegenden Bekanntmachung sollen interdisziplinäre und innovative Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsvorhaben in Verbünden mit deutschen und brasilianischen Partnern im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt und gefördert werden. Die Bekanntmachung zielt darauf ab, Forschung und Entwicklungsprojekte in den folgenden Bereichen zu fördern:

1. Industrielle Nutzung nachwachsender Rohstoffe

2. Arzneipflanzen

Einreichungsfrist für Skizzen: 19. März 2021

Gefördert aus: Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe

ERA-NET-Bioenergy: Aufruf „Entwicklung und Verbesserung von Biomasseumwandlungstechnologien zur Bereitstellung von Wärme für industrielle Prozesse“

Mit der aktuellen Bekanntmachung „Development and improvement of biomass conversion technologies for the provisioning of heat for industrial processes “ lädt ERA-NET Bioenergy Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem Bereich Bioenergie ein, länderübergreifende Projektvorschläge einzureichen. Gefördert werden Forschungsvorhaben, die die Dekarbonisierung der Industrie unterstützen und auf eine nachhaltige Bereitstellung von Bioenergie für Industriewärme zielen.

Projektträger und Ministerien aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen stellen für diesen Aufruf insgesamt ca. 2,5 Mio. € zur Verfügung. Deutschland unterstützt den Call mit insgesamt bis zu 500.000 € durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die FNR.

Einreichungsfrist für Skizzen: 26. Januar 2021, 13:00 Uhr

Gefördert aus: Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“

Projektabschluss ADVANCEFUEL

Ende August endete das von der FNR koordinierte Projekt ADVANCEFUEL. In den vergangenen drei Jahren wurden Hemmnisse eines erfolgreichen Markteintrittes von nachhaltigen fortschrittlichen erneuerbaren Kraftstoffen (RESfuels) untersucht und innovative Strategien bzw. Empfehlungen zu deren Überwindung entwickelt.

Gezielte Untersuchungen von Elementen der RESfuel-Wertschöpfungskette, wie beispielsweise der Verfügbarkeit von lignocellulosehaltiger Biomasse, wurde vorgenommen und deren Resultate in Projektberichten und Factsheets dargestellt. Das ADVANCEFUEL-Team betrachtete neben der Quantifizierung geeigneter Biomassepotenziale auch die Verfügbarkeit von marginalen Standorten für den Anbau lignocellulosehaltiger Energiepflanzen sowie notwendige anbautechnische Innovationen. Analysen zur Nachhaltigkeit der eingesetzten Rohstoffe und sozioökonomische Einflüsse der mit der RESfuel-Produktion verbundenen Prozesse spielten ebenfalls eine bedeutende Rolle.

Eine der wesentlichen Herausforderungen, die einer verstärkten Vermarktung von RESfuels im Wege stehen, sind deren vergleichsweise hohen Gesamtkosten. Dies erfordert Prozessinnovationen, technologische Weiterentwicklungen und Scale-up-Maßnahmen. Um Empfehlungen für mögliche Kostenreduzierungen geben zu können, wurden zudem Optionen zur Integration der RESfuel-Produktion in bestehende Infrastrukturen näher betrachtet. Ungeachtet dessen ist eine weitere politische und finanzielle Unterstützung dringend erforderlich, um die erforderliche technologische Entwicklung, den weiteren Ausbau und die Integration der RESfuel-Produktion und –Vermarktung zu gewährleisten und das Vertrauen von Investoren in Biokraftstoffanlagen zu stärken. Die Untersuchungen bestätigten, dass fortschrittliche Biokraftstoffe eine der wichtigsten Lösungen darstellen, die für die kurz- bis mittelfristige Dekarbonisierung des Verkehrssektors, vorrangig in Bereichen wie Luftfahrt, Seeverkehr und Schwerlastverkehr, notwendig und verfügbar sind.

Sämtliche Projektberichte sind unter dem Link http://www.advancefuel.eu/en/publications auf der Projektwebseite abrufbar.

1RESfuels bezieht sich im ADVANCEFUEL Projekt auf flüssige fortschrittliche Biokraftstoffe auf Basis lignocellulosehaltiger Biomasse und andere flüssige Kraftstoffe nicht biologischer Herkunft (z.B. E-Fuels)

ERA-NETs und Europäische Partnerschaften: Aufrufe und Weiterführung unter Horizon Europe

„Horizon Europe“ wird ab 2021 das bisherige europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ ablösen. Derzeit wird die inhaltliche und budgetäre Ausgestaltung von Horizont Europa zwischen den Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament verhandelt.

Neben der Möglichkeit, sich direkt auf die Aufrufe aus dem Arbeitsprogramm der Kommission für das jeweilige Forschungsrahmenprogramm – zuletzt Horizon2020 – zu bewerben, gab es bereits in der Vergangenheit weitere Fördermöglichkeiten für transnationale Verbundforschung. So werden aus den Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation Partnerschaften unterstützt, in denen entweder öffentliche Geldgeber ihre Förderung koordinieren, sogenannte „Public-Public Partnerships“ (P2Ps). Hierunter z. B. viele ERA-Netze und Joint Programming Initiativen. Des Weiteren wurden Programme von der Europäischen Kommission gemeinsam mit der Industrie aufgelegt, sogenannte „Public-Private Partnerships“ (PPPs) wie beispielweise die Biobased Industries (BBI).

Auch im neunten Forschungsrahmenprogramme „Horizon Europe“ wird von diesem Ansatz nicht abgewichen. Im Gegenteil, es wird damit gerechnet, dass es zusätzliche Partnerschaften geben wird und dieser Bereich finanziell deutlich besser ausgestattet wird als unter „Horizon 2020“. Die verschiedenen Partnerschaften und Partnerschaftsmodelle sollen unter dem Dach der „Europäischen Partnerschaften“ zusammengefasst werden.

In der jetzigen Planung sind drei Arten von Partnerschaften vorgesehen:

Ko-finanzierte Partnerschaften zwischen der EU Kommission sowie Forschungsförderern und anderen öffentlichen Einrichtungen aus EU-Mitgliedsstaaten bzw. assoziierten Ländern, die gemeinsam Inhalte und Ziele definieren und verschiedenen Maßnahmen ergreifen können. Die Finanzierung stammt aus EU- und nationalen Mitteln. Dabei können die Partner selber Forschung und Entwicklung betreiben oder aber als Förderer andere Einrichtungen unterstützen. Die Ausschreibungen erfolgen über die jeweiligen Partnerschaften und sind nicht Bestandteil der Horizon Europe Arbeitsprogramme.

Ko-programmierte Partnerschaften zwischen der EU Kommission, EU-Mitgliedsstaaten bzw. assoziierten Ländern, Industrie und weiteren Akteuren, die auf vertraglichen Vereinbarungen zwischen den Partner beruhen. Diesem Modell entsprechen in Horizont 2020 am ehesten die vertraglichen öffentlich-privaten Partnerschaften, sog. cPPPs (contractual Public-Private Partnerships). Die Ausschreibungen erfolgen in den Arbeitsprogrammen von Horizont 2020. Für den Bereich Bioökonomie sind im Horizon Europe aktuell keine ko-programmierten Partnerschaften geplant.

Institutionalisierte Partnerschaften, die entweder auf Artikel 185 bzw. 187 AEUV oder der EIT-Verordnung beruhen. Im Horizon 2020 entsprechen diese den Public-Public Partnerships nach Artikel 185, Public-Private Partnerships als gemeinsame Unternehmungen (Joint Undertakings, JUs) nach Artikel 187, sowie die Knowledge and Innovation Communities (KICs) des European Institutes of Technology (EIT). Die Ausschreibungen erfolgen über die jeweiligen institutionalisierten Partnerschaften und sind nicht Bestandteil der Horizon Europe Arbeitsprogramme.

Für den Bereich Bioökonomie im Cluster 6 "Ernährung, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt" sind acht Partnerschaften geplant.

  • Circular bio-based Europe
  • Accelerating farming systems transition
  • Animal health: Fighting infectious diseases
  • Environmental Observations for a sustainable EU agriculture
  • Rescuing biodiversity to safeguard life on Earth
  • A climate neutral, sustainable and productive Blue Economy
  • Safe and Sustainable Food System for People, Planet & Climate
  • Water4All

Weitere Informationen zu den European Partnerships gibt es unter anderem auf den Webseiten von ERA-LEARN oder bei den nationalen Kontaktstellen.

 

BalticBiomass4Value International Conference and Business Networking Event “Bio-based Industries Fast Forward”

Am 17.09.2020 hat die FNR gemeinsam mit dem 3N Kompetenzzentrum Niedersachsens Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e.V. (3N) einen Business to Business (B2B) Online-Workshop zu dem Thema „Nahwärmenetze mit Biomasse und Biogas als Kraftstoff“ organisiert. Der Workshop hat im Rahmen des EU Projektes BalticBiomass4Value stattgefunden und wurde in Ergänzung an die internationale Konferenz „Bio-based Industries Fast Forward“ angeboten. Den Einführungsvortrag hielt Dr. Daniel Kipp von der Dieter Meyer Consulting GmbH, der verschiede Fördermöglichkeiten für Firmen im Bereich der Bioökonomie vorstellte. Darauf leitete Michael Kralemann von 3N den ersten Teil des Workshops über Biogas als Kraftstoff ein, worauf sich vier Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) aus der Branche jeweils mit fünfminütigen Kurzvorträgen vorstellten. Die Tätigkeitsbereiche der Unternehmen reichen von Biogasproduktion bis zu der praktischen Anwendung von Biogas im Straßenverkehr. Es wurde ein interessanter Austausch zwischen den Unternehmen ermöglicht. Der zweite Teil des Workshops über Nahwärmenetze mit Biomasse wurde von Birger Kerckow (FNR), eingeleitet. Insgesamt wurden fünf Kurzvorträge zu dem Thema Nahwärmenetze mit Biomasse von Bioenergiedörfern und Energiedienstleistern gehalten. Anschließend konnten die Referent*innen sich untereinander austauschen und Fragen der insgesamt 35 Teilnehmer*innen beantworten.

Zusammenfassend waren alle Vertreter*innen der KMUs sehr zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren der Biogas- und Nahwärmenetz Sektor ausgebaut wird und so eine nachhaltige Energieerzeugung für Straßenverkehr und Haushalte möglich sein wird. Nichtsdestotrotz wurde deutlich, dass es besonders im Biogasbereich eine größere Bereitschaft von Politik und Fahrzeugherstellern geben müsse, um diese Entwicklung zu Unterstützen. Bei dem Thema Nahwärmenetze mit Biomasse wurde betont, dass Bürgerbeteiligung fundamental wichtig für die Umsetzung von Projekten sei. Hinzukommend wurde hervorgehoben, dass es einen Mangel an Wissen über die finanziellen Vorteile eines Nahwärmenetzes gibt, weshalb Verbraucher oft von den anscheinend hohen Kosten einer Biomasseheizung zurückschreckten.

SMARTSPEND Workshop Financing Clean Energy Transition in the Context of EU Recovery

Im Einklang mit der Zielsetzung des Projekts SMARTSPEND, eine mehr und besser konzipierte öffentliche Unterstützung für Forschung und Innovationen im Bereich der Energietechnologie zu schaffen, wurde am 30.09.2020 ein Online-Workshop zum Thema der Finanzierung des Übergangs zu regenerativen Energieträgern im Kontext des Europäischen Aufbauplans veranstaltet.

Neben der Vorstellung des umfangreichen Finanzierungsangebots der EU für Demonstrationsprojekte im Bereich erneuerbarer Energien wurden Empfehlungen zur Verbesserung der Finanzierung für bestimmte Energiesektoren diskutiert. Bei der Frage nach einer erfolgreichen Förderung wurde deutlich, dass das Technology Readiness Level einer Technologie nicht der einzige entscheidende Auswahlfaktor sein sollte und neben der technologischen Entwicklungsstufe auch die Markt- und sozialen Auswirkungen für eine umfassende Evaluierung eines Projekts in Betracht gezogen werden sollten. Zur Vereinfachung bzw. Verkürzung der Antragsphase sollte ein zweistufiges System mit einer kurzen Erläuterung der Projektidee in der ersten Phase jeweils bevorzugt Anwendung finden. Für den Fall, dass Projektideen für bestimmte Förderprogramme ungeeignet wären, könnte so viel Zeit in der Antragsphase eingespart werden. Eine Aufzeichnung des Workshops wird in Kürze auf der Projektwebseite verfügbar sein, wo des Weiteren Projektberichte mit vergleichbarer thematischer Ausrichtung, wie eine Analyse zum Förderbedarf der Industrie im Bereich erneuerbarer Energien, abrufbar sind.

COASTAL Biogas conference about biogas from cast seaweed and its socio-economic benefits

Im Rahmen der am 30.09.2020 durchgeführten Online-Konferenz wurden die bislang erzielten Ergebnisse des Projekts COASTAL Biogas zur Eindämmung der Eutrophierung durch anaerobe Vergärung von Seegras sowie der Förderung der Bioökonomie im südlichen Ostseeraum präsentiert und mit zahlreichen Akteuren aus den Bereichen Forschung und Politik sowie Vertretern betroffener Gemeinden in Ostseeanrainerstaaten diskutiert.

Eines der Hauptziele des COASTAL Biogas Projektes ist es, effektive Techniken für die Strandreinigung sowie mögliche Vorbehandlungen zu finden, damit angespültes Seegras in Biogasanlagen für die Produktion von Strom, Wärme und Biokraftstoff genutzt werden kann. Die Gärreste aus den Biogasanlagen finden wiederum als organische Düngemittel Verwendung und können so zur Verringerung des Imports synthetischer Düngemittel beitragen. Durch das Entfernen von angespültem Seegras von den Stränden wird der Wiedereintritt der Nährstoffe in die Ostsee und somit die Eutrophierung verhindert.

Neben den zahlreichen positiven Entwicklungen wurden ebenso weiterhin bestehende Herausforderungen rund um die Nutzung von Seegras zur Biogasproduktion, wie etwa die durch die Algennutzung verursachte Geruchsbelastung oder Schwierigkeiten bei der Substrataufbereitung durch Verunreinigungen mit Sand, erörtert.

ForestValue Aufruf 2021: Vorveröffentlichung

Die europäische Förderinitiative ForestValue plant einen neuen Aufruf für europäische Verbundvorhaben mit einem gemeinsamen öffentlichen Förderbudget in Höhe von über 7 Mio. €. Der Aufruf wird voraussichtlich im Januar 2021 veröffentlicht; der Start der geförderten Projekte ist für Ende 2021 / Anfang 2022 vorgesehen.

Der zweite Aufruf des ERA-NET Cofunds ForestValue unterstützt sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung und fokussiert sich auf innovative Lösungen, wie Wälder, Forstwirtschaft und nachgelagerte Industrien zur Erreichung der Ziele zur Nachhaltigen Entwicklung beitragen können. Dieser transnationale Aufruf wird breit und themenübergreifend geplant; Themen aus der gesamten forst-basierten Wertschöpfungskette werden adressiert - die genauen Themen werden jedoch aktuell von den teilnehmenden Förderern noch genauer definiert.

Die FNR ist ForestValue Projektpartner und zusammen mit dem ForestValue Koordinator Mika Kallio für die Planung und Durchführung des Aufrufes zuständig. Eine Unterstützung deutscher Teilprojekte erfolgt über das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe des BMEL.

Neue Website Studie: Bioraffinerien – Zukunftsperspektiven”

Im Auftrag der Europäischen Kommission führt die FNR in einem internationalen Konsortium eine Studie unter dem Titel ‚Biorefinery pathways and outlook for deployment‘ durch. Sie hat das Ziel, Zukunftsperspektiven für ganzheitliche Bioraffineriekonzepte aufzuzeigen sowie das Bewusstsein für das große Spektrum bio-basierter Produkte sowie von Bioraffinerie-Konzepten zu stärken. Eine Webseite mit weiteren Informationen zum Vorhaben wurden nun veröffentlicht. Hier werden zukünftig auch die Ergebnisse der Studie zur Verfügung gestellt.