Infobrief der FNR 02/2023: 

Liebe Leserinnen und Leser,

auch wenn inzwischen jedes fünfte Gebäude in Holzbauweise errichtet wird, geht gerade bei mehrgeschossigen Neubauten deutlich mehr! Holz ist klimafreundlich, leicht, es ermöglicht serielles Bauen, kurze Bauzeiten und eignet sich für die Nachverdichtung, aber auch für die Sanierung von Bestandsgebäuden. Seine stärkere Nutzung kann zudem den dringend notwendigen Waldumbau hin zu klimastabileren und standortgerechteren Mischwäldern beschleunigen. Damit hat Holz eine tragende Rolle unter den Baustoffen, gerade auch in Städten, verdient. Ich freue mich deshalb umso mehr, dass das Bundeskabinett im Juni die vom Bundesbau- und Bundeslandwirtschaftsministerium vorgelegte Holzbauinitiative beschlossen hat. Sie basiert auf Erkenntnissen und Empfehlungen der Charta für Holz 2.0, dem Dialogprozess des BMEL, der seit 2017 an einer Stärkung der nachhaltigen Holzverwendung arbeitet. Die FNR koordiniert und betreut die Charta-Aktivitäten im Auftrag des BMEL von Beginn an.

Das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung sieht bis zum Jahr 2045 Klimaneutralität in allen Bereichen vor, so auch im Gebäudebestand. Holz ist momentan der einzige Konstruktionsbaustoff, der der Atmosphäre bei seiner Entstehung CO2 entzieht und langfristig festlegt. Vor diesem Hintergrund ist die politische Unterstützung nur folgerichtig. In acht Handlungsfeldern finden künftig Maßnahmen statt, um die Holzbauquote bis 2030 wesentlich zu erhöhen. Eines davon betrifft zum Beispiel die Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Diese sollen „Klima- und Umweltschutzanforderungen sowie die Verwendung von Bauprodukten und Bauweisen auf Basis nachwachsender Rohstoff stärker fokussieren“, „ungerechtfertigte Benachteiligungen“ sollen abgebaut werden. Das sind sehr wichtige Schritte, von denen nicht nur der Holzbau, sondern auch andere biobasierte Dämm- und Baustoffe profitieren können.

Übrigens zeigt das Land Baden-Württemberg mit einer eigenen Landes-Holzbau-Richtlinie bereits, wie man den Holzbau wesentlich praxisnäher regeln und ihm so auch die Tür zur Gebäudeklasse 4 und 5, also den Mehrgeschossern, weiter öffnen kann. Hier sind nun auch andere Länder gefragt nachzuziehen, um die Holzbauinitiative gemeinsam mit dem Bund zum Erfolg zu führen.

Dem Dialog mit den Ländern dient u. a. auch die Fachkonferenz, die am 10. Oktober unter Beteiligung von Bundesbauministerin Klara Geywitz und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir stattfinden wird. Die Teilnahme in Präsenz oder via Livestream ist kostenlos, eine Anmeldung ist jetzt schon möglich.

Eine Vorbildwirkung im klima- und ressourceneffizienten Bauen üben auch viele private und kommunale Bauherren aus. Solche Bauherren zeichnet seit nunmehr 12 Jahren der Bundeswettbewerb Holzbau Plus des BMEL im zweijährigen Turnus aus. Bei der 6. Auflage des Wettbewerbs konnten sich kürzlich zehn Siegerprojekte über ihre Preise freuen. Bundesminister Cem Özdemir ließ es sich nicht nehmen, diese persönlich auf dem Deutschen Holzbaukongress zu überreichen. Auch dies unterstreicht, welchen Stellenwert das Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen in der politischen Wahrnehmung inzwischen hat. Als neue Kategorien waren „Recyclingkonzepte mit Naturbaustoffen“ und „Urbane Verdichtung“ hinzugekommen, zudem konnten Studierende erstmals an einem Ideenwettbewerb zum seriellen Wohnungsbau teilnehmen. Die FNR dokumentiert wie üblich alle Preisträger in einer Broschüre und auf der Webseite www.holzbauplus-wettbewerb.info/.

Falls auch Sie sich gerade mit einem Projekt im Bereich Neubau, Sanierung oder Renovierung beschäftigen: Nutzen Sie die Chance, mit biobasierter Baustoffen aus ihrem Haus oder ihrer Wohnung eine (partielle) Kohlenstoffsenke zu machen. Die Rohstoffpalette ist groß und umfasst neben Holz auch andere pflanzliche Materialien. Ohnehin anfallende Rohstoffe (wie Stroh, Seegras, Schafwolle) oder schnellwachsende Einjahrespflanzen (Hanf, Flachs) sind aus Sicht der Ressourceneffizienz besonders interessant. Bei Baustoffen aus Pflanzen von wiedervernässten Moorböden (Schilf, Rohrkolben, Nasswiesengräser, Erlen etc.) fällt der Klimanutzen besonders hoch aus. Denn die Wiedervernässung stoppt die hohen CO2-Emissionen aus diesen Böden und die Verwertung des Aufwuchses trägt dazu bei, dass die Wiedervernässung für die Landeigentümer und -nutzer überhaupt erst in Frage kommt. Dieses Thema ist noch Zukunftsmusik, hat aber großes Potenzial. Wir arbeiten daran!

 

Ihr

Dr.-Ing. Andreas Schütte

Dr.-Ing. Andreas Schütte