Infobrief der FNR 02 / 2021: Biowerkstoffe

Jugend forscht: Sonderpreis Nachwachsende Rohstoffe für umweltfreundliche Sonnenschutzcreme

Das diesjährige Bundesfinale im Wettbewerb „Jugend forscht“ fand am 29. Mai unter dem Motto „Lass Zukunft da“ statt. Aus den mehr als 5.000 Projekten wurden 169 Finalisten gewählt, die ihre Arbeiten der Wettbewerbsjury präsentierten. Mit den Sonderpreisen „Nachwachsende Rohstoffe“ honoriert das BMEL Arbeiten, die sich mit biobasierten Produkten und Energieträgern befassen. 59 Kinder und Jugendliche erhielten bereits auf Regionalebene je 75 € für ihr Engagement.

Beim Finale auf Bundesebene wurden die Arbeiten der Geschwister Andreas und Anna Dobbelstein aus Göttingen mit dem mit 1.500 € dotierten Sonderpreis „Nachwachsende Rohstoffe“ ausgezeichnet. Die Beiden haben aus Pflanzenpollen eine umweltfreundliche Sonnenschutzcreme mit einen Lichtschutzfaktor LSF 30 entwickelt. Die Sonderpreisgewinner stehen bereits in Kontakt mit einem Unternehmen, das an der Entwicklung des Produkts interessiert ist. Dann sollen allerdings Blütenblätter genutzt werden, da auch diese die UV-aktiven Substanzen enthalten.

Die Sonderpreisgewinner Andreas und Anna Dobbelstein aus Göttingen, Bild: © Stiftung Jugend forscht e. V.

Die Sonderpreisgewinner Andreas und Anna Dobbelstein aus Göttingen, Bild: © Stiftung Jugend forscht e. V.

„So geht Zukunft!“: Taraxacum auf der Woche der Umwelt

„So geht Zukunft!“ lautete das Motto der diesjährigen digitalen Woche der Umwelt, zu der der Bundespräsident und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt am 10. und 11. Juni eingeladen hatten. Zusammen mit dem Projektträger Jülich (PtJ) des Bundesforschungsministeriums präsentierte die FNR dort die Ergebnisse aus den verschiedenen Forschungsprojekten zur Etablierung von Russischem Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz). Der Naturkautschuk, der sich aus den Wurzeln dieser heimischen Rohstoffpflanze gewinnen lässt, kann zukünftig zu einer nachhaltigen Alternative zu Kautschuk aus tropischen Gummibaum-Plantagen werden.

Naturkautschuk ist ein hochelastisches Biopolymer, dass der Russische Löwenzahn in der Wurzel enthält. Bild: JKI/Peter Wehling

Naturkautschuk ist ein hochelastisches Biopolymer, das der Russische Löwenzahn in der Wurzel enthält. Bild: JKI/Peter Wehling

Projektstart: Selbstverstärkendes Einkomponenten-Verbundmaterial auf Basis von Polymilchsäure

Seit vielen Jahren arbeitet das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) sehr erfolgreich an den verschiedensten Fragestellungen rund um biobasierte Werkstoffe. Daher ließ es sich Uwe Feiler, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, nicht nehmen, den Zuwendungsbescheid für das Projekt „Selbstverstärkendes Einkomponenten-Verbundmaterial auf Basis von Polymilchsäure“ persönlich im Rahmen eines kleinen Besuchsprogramms zu übergeben. In diesem Forschungsprojekt geht es um die Entwicklung eines Verbundmaterials, das vollständig aus biobasierter Polymilchsäure (PLA) besteht und sich im Vergleich zu herkömmlichen Faserverbundwerkstoffen deutlich besser recyceln lässt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IAP sind sicher, dass der PLA-Werkstoff viele neue Anwendungsgebiete erobern kann. Schon heute signalisiert die Automobilindustrie Interesse an dem selbstverstärkenden Material.

Die neuartigen biobasierten PLA-Fasern des Fraunhofer IAP machen es möglich, einen Faserverbundwerkstoff komplett aus PLA herzustellen, der leicht recycelt werden kann. © Fraunhofer IAP

Die neuartigen biobasierten PLA-Fasern des Fraunhofer IAP machen es möglich, einen Faserverbundwerkstoff komplett aus PLA herzustellen, der leicht recycelt werden kann.

© Fraunhofer IAP

Entwicklung des GRAS-Prototypen zur Unterstützung einer umweltschonenden Ressourcennutzung für eine nachhaltige Bioökonomie

GRAS (Global Risk Assessment Services) ist ein wertvolles Instrument für Nachhaltigkeits-Zertifizierungen, egal ob im Bereich Bioenergie, biobasierte Produkte oder Nahrungs- und Futtermittel. Das Serviceangebot ist seit 2015 auf www.gras-system.org kostenlos verfügbar. Nutzer können sich zur Biodiversität, zur Kohlenstoffspeicherung, zur Historie der Landnutzung und zu sozialen Aspekten (z. B. Ernährungssicherheit, indigene Bevölkerung) von Anbauregionen aus 62 Ländern informieren.

Das Online-Tool wurde nun in einem vierjährigen Projekt mit Förderung des BMEL erweitert und optimiert. Das Team der GRAS GmbH machte die Daten neuester Satellitengenerationen verfügbar und integrierte eine Feuer-Warn-App in das System. Außerdem entwickelten die Experten eine Methodik, um auch die Produktion von Kleinbauern zu erfassen.

Satelitenbildaufnahmen zum Nachweis der Landnutzungsänderung; Foto: GRAS GmbH 2021

Satelitenbildaufnahmen zum Nachweis der Landnutzungsänderung; Foto: GRAS GmbH 2021

BioSinn: Steckbriefe sinnvoll biologisch abbaubarer Produkte auf Basis von nawaRo

Manche Kunststoff-Produkte lassen sich nicht recyceln, sondern enden in der Natur, in Gewässern oder im Kompost. Dazu zählen Mähfäden von Rasentrimmern, Blumenbindegarne, Flockungsmittel aus Kläranlagen und viele mehr.

Gerade für solche Anwendung ist der Einsatz von biologisch abbaubaren Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen prädestiniert. Im Projekt „BioSinn: Steckbriefe sinnvoll biologisch abbaubarer Produkte auf Basis von nawaRo“ konnten die Experten des nova-Instituts 25 Anwendungen identifizieren, für die die biologische Abbaubarkeit eine gute oder sogar die beste End-of-Life-Option darstellt.

Zusammengestellt sind diese Anwendungen in der Broschüre, die beim nova-Institut zum kostenfreien Download zur Verfügung steht.

Newsletter Nachhaltige Beschaffung

Im März 2021 startete der neue FNR-Newsletter „Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf“. Er erscheint fortan 4-mal im Jahr und informiert über aktuelle Themen rund um biobasierte Produkte, Programme und Angebote im Bereich nachhaltiger Einkauf. Der Newsletter richtet sich sowohl an öffentliche Beschaffer und Vergabestellen als auch an interessierte Konsumenten. Im Fokus der ersten beiden Ausgaben standen u.a. die Themen Green Meetings (umweltfreundliche Ausstattung von Veranstaltungen und Messen), nachhaltiges öffentliches Bauen sowie kommunale Bioenergie.