Infobrief der FNR 03 / 2021: Grußwort

Grußwort

die Trockenlegung von Moorböden für die landwirtschaftliche Nutzung ist für über ein Drittel der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Gleichzeitig generieren bis heute zahlreiche Agrarbetriebe ein Einkommen auf diesen Flächen. Dies umreißt das Spannungsfeld, in dem der Moorbodenschutz angesiedelt ist.

Die FNR betreut dazu umfangreiche Forschungs-, Modell- und Demonstrationsvorhaben sowie Öffentlichkeitsarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Experten schätzen, dass die Wiedervernässung mehrerer 100.000 Hektar erforderlich ist, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung im Bereich Moorbodenschutz bis 2030 zu erreichen. Ein Strukturwandel in dieser Größenordnung ist nicht gegen den Willen der betroffenen Bodennutzer und –eigentümer möglich. Gerade deshalb kommt Ansätzen wie die Paludikultur (landwirtschaftliche Nutzung von nassen oder wiedervernässten organischen Böden) eine so große Bedeutung zu, denn so lassen sich nasse Flächen weiterhin bewirtschaften und der Aufwuchs verwerten.

Dem wird der kürzlich veröffentlichte Förderaufruf zu Moorbodenschutz und Paludikulturen gerecht: Gesucht werden Modell- und Demonstrationsvorhaben, um Ergebnisse aus vielversprechenden Forschungsarbeiten großflächig und langfristig bis zu zehn Jahre zu demonstrieren. Eine große Chance für die Praxis: Zielgruppe des Aufrufs sind deshalb u. a. explizit Landwirte und Weiterverarbeiter. Notwendig für die Vorhaben ist eine sachgerechte Koordinierung der Vorhaben, die ebenfalls gefördert wird.

Noch gibt es erst wenige auf dem Markt etablierte „Paludiprodukte“, wenngleich das Potenzial durchaus groß ist, etwa im Bereich klimafreundlicher Bau- und Dämmstoffe. Dämmstoffe aus Paludikulturen hätten bei der erforderlichen energetischen Sanierung im Gebäudebestand einen dreifachen Klimanutzen: Sie würden den Wärmeenergiebedarf der Gebäude verringern, der Atmosphäre langfristig CO2 entziehen und Flächennutzern und –eignern obendrein noch wirtschaftliche Perspektiven für die Wiedervernässung von Moorböden bieten, womit sich weitere Emissionen in erheblicher Menge einsparen ließen.

Zu den potenziellen Nachfragern von Paludi-Biomasse gehört auch die Erdenindustrie, die aus Klimaschutzgründen den Einsatz von Torf minimieren soll und nach geeigneten Ersatzstoffen sucht. Erste Erdenhersteller experimentieren bereits mit Torfmoosen, Schilf und Rohrkolben als Substratkomponente. Die Bundesregierung strebt im Erwerbsgartenbau einen weitgehenden und im Hobbygartenbau einen vollständigen Torfausstieg an. Die FNR unterstützt das BMEL seit Ende 2020 auch bei diesem Thema und betreut u. a. Projekte zur Herstellung und Verwendung torfreduzierter und torffreier Substrate für Gartenbau und Pilzzucht. Beim verstärkten Einsatz torffreien Blumenerden für Hobbygärtner kommt aber auch der Endverbraucherkommunikation ein hoher Stellenwert zu. Verschiedene Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, von denen wir einige in diesem Infobrief vorstellen. Wie groß der Aufklärungsbedarf noch ist, das zeigte eine aktuelle, repräsentative Umfrage der FNR unter 1.000 Endverbraucher/-innen: Knapp die Hälfte der Befragten sah keinen Zusammenhang zwischen dem Einsatz torffreier Blumenerde und dem Klimaschutz. Insofern gibt es erheblichen Bedarf für Kommunikationsmaßnahmen, die sich letztlich auch in den Verkaufszahlen torffreier Blumenerden messbar niederschlagen sollten.
Aus der fachlichen Perspektive ist die Tagung zur Ökobilanzierung von Torfersatzstoffen im Novemberder nächste wichtige Meilenstein. Das Thema ist von großer Relevanz, gilt es doch, die besonders klima- und umweltfreundlichen, regional verfügbaren Ersatzstoffe zu identifizieren, die nicht zuletzt auch zur Wertschöpfung vor Ort beitragen können.

Ihr

Unterschrift Dr. Schütte

Dr.-Ing. Andreas Schütte

Dr.-Ing. Andreas Schütte