Infobrief der FNR 01/2022: 

ETIP-B-SABS 2 – Europäische Technologie- und Innovationsplattform Bioenergie – Unterstützung der Stakeholder für erneuerbare Kraftstoffe und Bioenergie 2

Aufbauend auf der bereits zwölf Jahre andauernden Unterstützung der Europäischen Technologieplattform für Biokraftstoffe (EBTP) und der ETIP Bioenergy hat das Projekt ETIP-B-SABS 2 in den vergangenen rund 3,5 Jahren die Zusammenarbeit von Akteuren aus dem Bereich erneuerbare Energieträger und Bioenergieträger in der Energieunion und insbesondere beim strategischen Energietechnologieplan (Strategic Energy Technology Plan, SET Plan) der EU weiter gestärkt. ETIP-B-SABS 2 hat sich in dieser Zeit aktiv mit diesen Interessengruppen befasst und ihre Bedürfnisse mit der Politik der Europäischen Kommission verknüpft. Das Projekt leistete folgende Beiträge:

  • Unterstützung und Weiterentwicklung der SET Plan-Aktivitäten und der strategischen F&E-Umsetzungspläne;
  • Zusammenarbeit und Interaktion mit anderen relevanten Initiativen in Bezug auf erneuerbare Kraftstoffe, Dekarbonisierung von Verkehr, Bioenergie und Biomasse-Valorisierung / biobasierte Wertschöpfungsketten;
  • Bereitstellung von wissenschaftlich fundierten und aktuellen Informationen über den Sektor für Bioenergie;
  • Einbeziehung von Interessengruppen, um die Perspektive der Akteure und die soziotechnischen Aspekte der Technologieentwicklung und -umsetzung besser zu verstehen; mit besonderem Fokus auf die Unterstützung von Öffentlichkeitsarbeit und Engagement von Akteuren in der Zivilgesellschaft;
  • Unterstützung der Europäischen Kommission und der Mitgliedstaaten bei der Festlegung von Forschungsprogrammen und Finanzierungsinstrumenten, wobei gleichzeitig der Bedarf an TRL-Forschung verringert und marktnahe Technologien vorangetrieben wurden.

Das Projekt ETIP-B-SABS 2 wurde durch das europäische Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 finanziert.

SMARTSPEND – More and better designed national public support for energy technology Research and Innovation

Das im November 2021 abgeschlossene Projekt SMARTSPEND, gefördert unter dem Förderprogramm Horizon 2020, hat sich in den vergangenen drei Jahren mit dem Ziel befasst, mehr und besser konzipierte öffentliche Unterstützung für Forschung und Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energietechnologien zu schaffen.

Vertreter regenerativer Energiesektoren wurden durch das Projekt SMARTSPEND zusammengebracht, um gemeinsame Interessen hinsichtlich der Technologieentwicklung zu eruieren und nicht-technologische Barrieren zu identifizieren, die einer Etablierung der Technologien am Markt im Wege stehen. Die verschiedenen Implementierungsgruppen des SET Plans waren in das Projekt eingebunden, sodass Synergien zwischen den Umsetzungsplänen identifiziert und genutzt werden konnten. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Projektwebseite.

COASTAL Biogas – Cluster on anaerobic digestion, environmental services and nutrient removal

Das Hauptziel des im Rahmen des Interreg South Baltic Programme geförderten Projekts COASTAL Biogas bestand darin, durch die Nutzung angespülter mariner Biomasse (Algen und Seegras) in küstennahen Biogasanlagen zu einer Reduzierung des Nährstoffüberangebots in der Ostsee beizutragen.

Geeignete Verfahren der anaeroben Co-Vergärung von Seegras und die Anpassung an örtliche Gegebenheiten wurden erörtert. Das Projektkonsortium untersuchte durch Tests zur Vergärung von Seegras im Labormaßstab, welche Bedingungen für die anaerobe Vergärung am günstigsten sind. Ziel war es, diese Prozesse weiter zu verbessern und interessierten Biogasanlagenbetreibern und küstennahen Gemeinden entsprechendes Informationsmaterial bereitstellen zu können.

Des Weiteren wurden Technologien zur Bergung mariner Biomasse, sozioökonomische Aspekte, Potentiale in den Anrainerstaaten der Ostsee sowie Vorzeigeprojekte, die bereits erfolgreich Seegras als Co-Substrate einsetzen, analysiert.

Das Projekt endete nach einer Laufzeit von 3,5 Jahren am 31.12.2021. Sämtliche Projektergebnisse sind über die Projektwebseite abrufbar.

BalticBiomass4Value: Biomassepotenzial und Wertschöpfungsketten Erschließung im Ostseeraum

Das Interreg-Projekt BalticBiomass4Value zur Erschließung von Biomassepotenzialen und Wertschöpfungsketten im Ostseeraum endete nach einer Laufzeit von 36 Monaten im Dezember 2021. Das Projekt zielte darauf ab, Bioenergie auf eine ökologisch nachhaltige und wirtschaftlich tragfähigere Weise zu erzeugen. Neue Biomassequellen für die Energieerzeugung sollten erschlossen und Möglichkeiten zur Nutzung von neuen Wertschöpfungsketten aus der Bioenergieerzeugung für die Herstellung höherwertige biobasierte Produkte geschaffen werden. 17 Projektpartner aus dem Ostseeraum unterstützten das Projekt.

Sämtliche Projektergebnisse sind im interaktiven Onlineportal verfügbar, beispielsweise eine Bibliothek mit Business Cases und verschiedenen Instrumenten für die Unternehmensplanung.

Hauptergebnisse des Projekts:

  • Analyse der Marktaussichten und der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Bioenergieprodukte und Wertschöpfungsketten im Energiesystem des Ostseeraums (vollständiger Bericht verfügbar in englischer Sprache)
  • Kartierung von Biomasse-Wertschöpfungsketten für eine verbesserte nachhaltige Energienutzung im Ostseeraum (vollständiger Bericht verfügbar in englischer Sprache)
  • Ausarbeitung von Geschäftsmodellen und Beispielen für kleine und mittlere Pilotprojekte für die nachhaltige Produktion von Bioenergie und biobasierten Produkten im Ostseeraum (vollständiger Bericht verfügbar in englischer Sprache)
  • Analyse regionaler/lokaler Unterstützungssysteme für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft und Ausarbeitung von Leitlinien für die Umsetzung bewährter Verfahren für öffentliche Behörden (vollständiger Bericht verfügbar in englischer Sprache)
  • Interaktives Onlineportal
  • Organisation von Veranstaltungen in jedem Projektpartnerland

Informationen über die Projektaktivitäten über den BalticBiomass4Value-Newsletter, Linkedin, Facebook und die Projektwebsite

ERA-NET Bioenergy Seminar

Das von der FNR am 18. Januar 2022 organisierte ERA-NET Bioenergy Seminar "Highlighting innovative bioenergy research" bot einen spannenden Einblick in neueste Forschungsergebnisse, die sich mit biologischen oder thermischen Konversionspfaden für die Bioenergieproduktion beschäftigen. Die über 70 Teilnehmer informierten sich über die Ergebnisse europäischer Kooperationsprojekte mit österreichischen, finnischen, schwedischen, schweizerischen, polnischen und deutschen Partnern und erhielten Einblicke in verschiedene Möglichkeiten zur besseren Nutzung von Biomasse und Biogas, die einen wichtigen Beitrag zu den Klima- und Energiezielen der EU leisten. Das 4-stündige Online-Seminar war mit vielen lebhaften Diskussionen und reger Beteiligung des Publikums sehr interaktiv.

GreenRio Bioeconomy Workshop

Der Workshop am 26.11.21 fand mit Unterstützung des BMEL als Hybridveranstaltung im Rahmen der brasilianischen Messe GreenRio in Rio de Janeiro statt. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung und Diskussion der deutschen und brasilianischen Bioökonomiestrategien. Präsentiert wurden auch die Vorhaben, die im Rahmen der deutsch-brasilianischen Bekanntmachung „Bioeconomy International 2021“ mit den Schwerpunkten „Arzneipflanzen“ sowie „Industrielle Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen“ von BMEL und BMBF für eine Förderung ausgewählt wurden. Schließlich wurden die Ergebnisse von zwei geförderten Vorhaben zum Thema Fernerkundung und Nahrungsmittelsicherheit vorgestellt. Ein virtueller Ausstellungsbeitrag informierte über zentrale Merkmale von biobasierten Produkten.

IEA Bioenergy Conference 2021

Vom 29. November bis 9. Dezember 2021 fand die dreijährliche Konferenz der IEA Bioenergy statt. Das zentrale Thema der Konferenz war "Die Rolle der Biomasse beim Übergang zu einer kohlenstoffneutralen Gesellschaft".

Die virtuelle Konferenz umfasste 10 technische Sitzungen und 4 Podiumsdiskussionen, die sich über zwei Wochen erstreckten. Jeder Tag war einem zentralen Thema gewidmet, z. B. Rohstoffmobilisierung/Nachhaltigkeitsmanagement, Biokraftstoffe für den Verkehr, grünes Gas, Kreislaufwirtschaft und Industrie sowie Bioenergie im Energiesystem. Deutsche Expertinnen und Experten waren in Vortragssitzungen und Paneldiskussionen vertreten. Fast 1200 Personen aus 90 Ländern nahmen an einer oder mehreren der Konferenzsitzungen teil.

Alle Informationen zu der Tagung (Präsentationen, Aufzeichnungen, Höhepunkte, Umfrageergebnisse) sind auf der Konferenz-Website verfügbar.

Allgemeine Schlussfolgerungen der Konferenz:

  1. Um weltweit Klimaneutralität zu erreichen, ist eine grundlegende Umgestaltung des Energiesystems erforderlich. Die Rolle der Bioenergie bei der Dekarbonisierung ist beträchtlich, da sie bis 2050 bis zu 20 % der gesamten Energieversorgung liefern kann.
  2. BECCS (bioenergy with carbon capture and storage) ist eine der entscheidenden Optionen, um negative Emissionen zu erreichen, indem erneuerbare Energieerzeugung mit der Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre kombiniert wird.
  3. Bioenergie sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil einer umfassenderen Bioökonomie, in der Materialien, Nahrungsmittel und Energie gemeinsam produziert werden.
  4. Nachhaltigkeitsmanagement ist eine Grundvoraussetzung. Es muss ein klares Verständnis davon geben, was nachhaltige Biomasse bedeutet und wie viel davon mobilisiert werden kann.
  5. Bewährte Praktiken der Biomassemobilisierung und -nutzung bieten über die Energiebereitstellung und den Klimaschutz hinaus weitere Vorteile, z. B. ländliche Entwicklung, Abfallwirtschaft, Bodenverbesserung.
  6. Es sind verstärkte Anstrengungen für eine nachhaltige Biomassemobilisierung erforderlich. Dies erfordert auch die Verknüpfung einer lokalen und verstreuten Biomasse-Rohstoffbasis mit zentralen Verarbeitungsanlagen.
  7. Die Umstellung beschleunigt sich. Unternehmen und Sektoren (Energieversorger, Verkehrssektor, Industrie, ...) unternehmen konkrete Schritte in Richtung Klimaneutralität.
  8. Die Prioritäten der Biomassenutzung werden sich weiterentwickeln und sich allmählich auf schwer zu elektrifizierende Sektoren verlagern.
  9. Verlässliche und kohärente politische Rahmenbedingungen sind von zentraler Bedeutung, um Anreize für Investitionen zu setzen und neue Technologien zu verbreiten.
  10. Flexibilität (kurz- und langfristig) ist eines der Hauptvorteile der Bioenergie in einem Energiesystem mit zunehmendem Anteil an variablen erneuerbaren Energien.

IEA Bioenergy: Start des neuen Trienniums

Bei der 88. Sitzung des Lenkungsausschusses von IEA Bioenergy, die vom 11. bis 14. Oktober 2021 stattfand, wurden die Weichen für die Schwerpunkte des nächsten Dreijahreszeitraums gestellt. Auch von 2022 bis 2024 werden technische und übergreifende Aspekte der Bioenergie in elf „Tasks“ bearbeitet. Auf die Rolle der Bioenergie im Energiesystem und in der Bioökonomie wird künftig mehr Augenmerk gelegt. Drei Tasks stehen unter deutscher Leitung: „Direct Thermochemical Liquefaction“ wird von Herr Dr. Funke, KIT geleitet. „Energy from Biogas“ steht unter der Leitung von Herrn Dr. Liebetrau, Rytec GmbH und „Deployment of Biobased Value Chains“ koordiniert Herr Fritsche, IINAS. Taskübergreifende Aktivitäten sind zu der Thematik Bioenergie und Wasserstoff sowie BECCS (bioenergy with carbon capture and storage) geplant.